Ärzte Zeitung online, 12.09.2016

Umfrage

Deutsche uneins über Zuckersteuer

Sollte der Staat "Zuckerbomben" im Supermarkt teurer machen, damit weniger Käufer zugreifen? Bei der deutschen Bevölkerung findet das eher keine Zustimmung.

Deutsche uneins über Zuckersteuer

Bei einer Analyse von 463 Limonaden, Energydrinks, Fruchtsäften, Schorlen, Brausen und Eisetees hat die Verbraucherorganisation Foodwatch in 60 Prozent der Produkte mehr als fünf Prozent Zucker festgestellt.

© flaviuz / fotolia.com

BERLIN. Eine Sondersteuer auf Lebensmittel mit besonders viel Zucker in Deutschland stößt laut einer Umfrage auf Skepsis. Einen solchen Preisaufschlag für stark gesüßte Produkte lehnen 51 Prozent der Menschen in Deutschland ab, wie eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab.

Befürworten würden dies 40 Prozent. Bei stark gezuckerten Getränken wären 44 Prozent tendenziell für eine Steuer und 49 Prozent dagegen. Kennzeichnungen des Zuckergehalts reichen den meisten aber nicht aus.

Großbritannien will 2018 eine Zuckersteuer einführen, um stark gesüßte Getränke für Käufer unattraktiver zu machen. Sie soll ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter greifen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein ähnliches Modell für Deutschland - mit Abgaben von 20 bis 30 Cent pro Liter. Das ergäbe pro Jahr rund eine Milliarde Euro, die in Präventionsprogramme fließen könnten.

Bei einer Analyse von 463 Limonaden, Energydrinks, Fruchtsäften, Schorlen, Brausen und Eistees hatte Foodwatch kürzlich in rund 60 Prozent der Produkte mehr als fünf Prozent Zucker festgestellt.

Von Packungsangaben, wie viel Zucker ein Produkt enthält, fühlt sich die Mehrheit der Deutschen der Umfrage zufolge nicht gut informiert. 63 Prozent der Befragten finden die Kennzeichnung nicht ausreichend klar, das Gegenteil gaben 29 Prozent an. (dpa)

[12.09.2016, 13:48:41]
Thomas Georg Schätzler 
Eine Zucker-Zusatzsteuer lindert allenfalls Symptome,
aber nicht die Ursachen. In den deutschen Getränkeverordnungen, bei Marmeladen, Konfitüren und Fruchtaufstrichen, bei Fruchtzubereitungen in Milchprodukten wie Joghurt, Quark, Dickmilch etc. und in Fertig- bzw. "convenience"-Gerichten sind derartig hohe Zuckeranteile behördlich erlaubt, dass man von Vorsatz bzw. institutionalisierter Förderung der Zuckerrüben-Industrie beim Gesetzgeber sprechen könnte.

Auch bei extrem hoch besteuerten Genussmitteln wie Tabak und Alkoholika werden die staatlichen Steuereinnahmen niemals zur Prävention und / oder Therapie korrespondierender Erkrankungen genutzt. Das wird alles auf die Versicherten in GKV und PKV abgewälzt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »