Ärzte Zeitung online, 12.07.2017
 

US-Studie

Ernährung: Genussbotschaft macht Appetit auf Gemüse

US-Psychologen haben eine simple Maßnahme entdeckt, die den Appetit auf gesunde Lebensmittel steigern soll.

STANFORD. Nur 25 Prozent der Männer in Deutschland und damit so wenig wie in keinem anderen EU-Land essen laut GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell 2014/2015) täglich Gemüse. Bei den Frauen sind es immerhin fast 43 Prozent, sie belegen damit im EU-Vergleich aber auch nur den viertletzten Platz. US-Amerikaner kennen dieses Problem. Psychologen von der Stanford University haben sich deswegen Gedanken macht, wie man den Verzehr von Gemüse ankurbeln kann.

"Auf die gesundheitlichen Vorzüge hinzuweisen, kann kontraproduktiv sein", schreiben die Wissenschaftler um Bradley Turnwald (JAMA Intern Med 2017, online 12. Juni). Menschen würden nämlich Nahrungsmittel, die sie für besonders gesund halten, als nicht so schmackhaft bewerten. Primär als gesund konnotiertes Essen würde sogar die Konzentration des Hungerhormons Ghrelin weniger stark senken als eine Mahlzeit mit identischer Zusammensetzung, die als besonderes Geschmackserlebnis angekündigt sei.

Turnwald und Kollegen haben deswegen in einer Kantine ihrer Universität getestet, ob mehr Studenten beim Gemüse zugreifen, wenn nicht die Zubereitung, sondern lediglich der Name des täglich zur Auswahl stehenden Gemüses variiert wird. So wurden Zucchini statt als "Zucchini" (Basisbezeichnung) auch als "geröstete karamellisierte Zucchinihappen" (Genussbotschaft) bzw. als "kalorienarme Wahl Zucchini" (negative Gesundheitsbotschaft) oder als "nährstoffreiche grüne Zucchini" (positive Gesundheitsbotschaft) angeboten. 46 Tage lang stand jeweils eine Sorte Gemüse mit einem dieser vier Namenstypen auf dem Speiseplan. Parallel wurde gemessen, wie sich die Benennung auf die Zahl der Esser und die Portionsgrößen auswirkte.

In beiden Punkten erwiesen sich Namen, die die Kulinarik in den Vordergrund stellten, als besonders förderlich. Damit gab es 25 Prozent mehr Gemüseesser als mit der Basisbezeichnung und 41 bzw. 35 Prozent mehr als mit der negativen oder positiven Gesundheitsbotschaft. Die Menge an Gemüse, die sich die Studenten auf die Teller luden, war im Vergleich zur neutralen und der restriktiven Benennung um 23 und 33 Prozent größer. "Die Ergebnisse stellen Konzepte infrage, die eine gesunde Ernährung fördern wollen, indem sie den gesundheitlichen Nutzen herausstellen", so Turnwald und Kollegen.Ihre Studie würde, so die US-amerikanischen Autoren, eine einfache Strategie aufzeigen, wie sich der Gemüsekonsum von Erwachsenen steigern lässt: "Indem man dieselben genussvollen, aufregenden und köstlichen Schlagwörter verwendet, wie sie für beliebtere, aber weniger gesunde Lebensmittel üblich sind." (bs)

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