Ärzte Zeitung, 06.09.2018

Gefährlicher Knollenblätterpilz

Experten warnen vor Giftpilz-Verzehr

Experten warnen vor Giftpilz-Verzehr

Grüne Knollenblätterpilze. Die giftigen Pilze werden oft von Spätaussiedlern und Geflüchteten mit heimischen, harmlosen Sorten verwechselt.

© MRI Tox

HANNOVER. Viele Pilzsorten reagieren auch nach längeren Trockenperioden auf Niederschläge und beginnen zu wachsen: Speisepilze und auch Giftpilze, die sich häufig in der Optik kaum von essbaren Varianten unterscheiden. Um lebensgefährliche Vergiftungen zu verhindern, rät die Deutsche Leberstiftung zur Vorsicht.

"Im schlimmsten Fall kommt es nach dem Verzehr von Giftpilzen zu einem Organversagen. Wenn die Toxine aus dem Magen- und Darmtrakt aufgenommen sind und über die Blutbahn in die Leber kommen, kann das zu einem Leberversagen führen", warnt Professor Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.

Neben kleinen Kindern, die beim Spielen Giftpilze pflücken und verzehren sowie Erwachsenen, die Giftpilze mit essbaren heimischen Pilzen verwechseln, gibt es eine weitere gefährdete Gruppe: Geflüchtete und Spätaussiedler. Diese Menschen verwechseln meist den hochgiftigen Knollenblätterpilz mit Speisepilzen aus den jeweiligen Heimatländern, so die Stiftung.

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen in Europa verantwortlich. Wenn der Knollenblätterpilz verzehrt wurde, treten Symptome erst nach einer beschwerdefreien Zeit von sechs bis 24 Stunden auf. Der Knollenblätterpilz ist genau deshalb so gefährlich, weil in den ersten Stunden nach dem Verzehr noch keine wesentlichen Beschwerden auftreten.

Wenn das Gift Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt. Es kommt dann zu schweren sechs bis neun Stunden anhaltenden choleraartigen Durchfällen und Erbrechen. Die Gifte des Knollenblätterpilzes, die sogenannten Amatoxine, beginnen bereits etwa 24 Stunden nach dem Verzehr die Leber zu zerstören. (eb)

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