Ärzte Zeitung, 24.02.2012

Fundsache

Hausverbot für "Mademoiselle"

Feministinnen feiern einen Erfolg im Kampf gegen die in Frankreich noch immer weit verbreitete Verwendung der Anrede "Mademoiselle" - auf Deutsch: Fräulein.

Premierminister François Fillon forderte in einem Rundschreiben alle Behörden auf, künftig auf diesen Begriff zu verzichten. Die Anweisung gelte sowohl für Briefe als auch für Formulare, sagte eine Regierungssprecherin in Paris.

Französische Frauenrechtlerinnen hatten im Herbst eine große Kampagne gegen den Gebrauch von "Mademoiselle" gestartet. Die Organisatoren forderten, die Unterscheidung zwischen "Madame" (verheiratete Frau) und Mademoiselle (ledige Frau) mit sofortiger Wirkung aufzugeben. Der Titel "Mademoiselle" zwinge Frauen, Angaben über ihr Privatleben zu machen, die Männer nicht machen müssten. Er stehe für den Sexismus im Alltagsleben, argumentierten die Feministinnen. (dpa)

Topics
Schlagworte
Gesellschaft (6079)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[24.02.2012, 14:45:41]
Dr. Horst Grünwoldt 
Fräuleinwunder
Trotz des behördeninternen "Mademoiselle"-Anredeverbots in Formularbögen und auf amtlichen Briefköpfen, wird gewiß -entgegen der Absicht der französischen Feministinnen (Suffragetten)- auf den Straßen und in den Bistros von Paris das "Bon jour, Mademoiselle" gegenüber jungen Single-Frauen weiter Bestand haben und gern gehört werden.
Schließlich definiert der "Micro-Robert" die Anrede als gleichbedeutend mit junges Mädchen (jeune fille) und unverheiratete Frau (femme celibataire).
Und das hat überhaupt nichts mit "Sexismus" zu tun!
Wäre es nicht albern (oder sogar sexistisch), die kontaktfreudigen Mädchen mit "Madame" anzusprechen, nur weil sie gerade die Pubertät hinter sich haben? Die alleinstehenden Frauen jeden Alters sind i.d.R. in Frankreich sogar erfreut mit "Mademoiselle", und damit als ungebunden (oder e-manzipiert!) angesprochen zu werden. Denken wir nur an die berühmten "Mademoiselle Chanel oder Mml Colette".
In Deutschland gibt es aber noch ganz andere Albernheiten. So werden z.B. jugendliche, gerade dem Kindesalter entwachsene Turnmädchen oder Eiskunstläuferinnen als "Damen" tituliert. Ebenso werden Jugendliche in der Männerriege als "Herren" bezeichnet.
Dabei müssen doch unter den vielen jungen Männern einige erst zu wahren "Herren" heranwachsen, wie auch aus jungen Frauen nicht alle im Laufe der Zeit sich zu echten "Damen" mausern...
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Alzheimer nach frisch gebackenem Brot riecht

Erst lässt der Geruchssinn nach, dann treten Phantosmien auf – ein US-Neurologe berichtet über seine beginnende Demenz, und weshalb die frühe Diagnose für ihn wichtig war. mehr »

Neuer Pflege-TÜV startet im November

Bislang ist der Pflege-TÜV mehr ein Ärgernis als eine Hilfe. Viel zu oft gibt es sehr gute Noten für Pflegeheime in Deutschland. Nun gibt es grünes Licht für eine Reform. mehr »

1,4 Millionen Krebstote für 2019 erwartet

In diesem Jahr könnten in der gesamten EU mehr Menschen an Krebs sterben als noch vor Jahren. Doch es gibt auch eine gute Entwicklung. mehr »