Ärzte Zeitung online, 10.01.2019

Spahn

Alter von Flüchtlingen per Ultraschall prüfen

Wenn das Alter von minderjährigen Migranten bestimmt werden soll, greifen Ärzte auf die Röntgenuntersuchung zurück. Ob das nicht auch per Ultraschall genauso gut geht, lässt Gesundheitsminister Spahn nun prüfen.

Alter von Flüchtlingen per Ultraschall prüfen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will einen Weg finden, das Alter von Flüchtlingen per Ultraschall bestimmen zu lassen.

© Carsten Rehder / dpa

BERLIN. In der Debatte über die Bestimmung des Alters von jungen Migranten lässt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Möglichkeit von Untersuchungen per Ultraschall prüfen.

„Ich kann Ärzte verstehen, die zurückhaltend mit Röntgen sind, wenn sie das Alter von jungen Migranten bestimmen sollen“, sagte Spahn der in Bielefeld erscheinenden „Neuen Westfälischen“ (Donnerstag).

„Aber wir brauchen die Altersbestimmung. Denn das hat Auswirkungen auf die Asylverfahren und– im Zweifel – auch auf die Strafverfahren“, betonte der CDU-Politiker. Deshalb müsse ein Weg gefunden werden, das ohne Eingriff in die körperliche Unversehrtheit zu machen.

Das Ministerium fördere seit Jahresbeginn ein Projekt der Fraunhofer Gesellschaft und der Universität des Saarlandes, um herauszufinden, ob auch mit Ultraschall das Alter von jungen Erwachsenen bestimmt werden kann. Das Projekt werde mit einer Million Euro gefördert. Ende 2020 sollen Ergebnisse vorliegen. (dpa)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Umstrittene Altersfeststellung

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[10.01.2019, 15:00:04]
Dr. Karlheinz Bayer 
Altersbestimmung als medizinische Aufgabe?
Sehr geehrter Herr Spahn,

Sie gehören einer Partei an mit einem C im Namen. Sie wollten allen ernstes Vorsitzender dieser Partei werden.

Wie tief glauben Sie, Herr Spahn, daß die Ärzte gesunken sein müssen, wenn man liest, Sie könnten "Ärzte verstehen, die zurückhaltend mit Röntgen sind"?
Es gibt eine Strahlenschutzverordnung, die Sie lesen sollten, dann bräuchten Sieniemanden verstehen, sondern würden wissen.Verstehen Sie, Herr Spahn

Natürlich gibt es eine Arztgruppe, die der Rechtsmediziner, welche sich mit dem Alter auseinandersetzen muß. Aber auch da geht es in erster Linie darum, ob nach Erwachsenenrecht oder nach dem Strafrecht im Jugendalter Recht zu sprechen ist.
Ich habe mir sagen lassen, daß diese Altersbestimmung dem jugendlichen Straftäter nutzen soll, daß also Ärzte im Interesse des Patienten/Delinquenten tätig werden. Genauso wie übrigens ein Alkoholtest auch zur Entlastung dienen kann.

Sie aber, Herr Spahn, denken offensichtlich in erster Linie daran, wie man das Abschieben von unbegleiteten Jugendlichen, die unseren Schutz noch mehr brauchen als andere Flüchtlinge, möglichst elegant - was leider immer wieder heißt, am schnellsten mit einem ärztlichen Attest - vereinfachen und ermöglichen könnte.

Es ist ein unchristlicher und ein unethischer Ansatz, Ärzte dazu zu bewegen zu Mithelfern bei der Aushebelung des Asylrechts zu werden.Sie handeln dabei nicht in meinem Sinn, und auch nicht im Einklang mit dem Eid, den Ärzte leisten. Sie handeln gegen die Grundidee des Grundgesetzes und gegen alles, was man als Menschenrecht bezeichnet.

17 Jahre und 364 Tage alt darf bleiben, 2 Tage älter, und ab mit ihm oder ihr.
Selbst wenn es deutlich ist: hat ein 21-jähriger Flüchtling weniger Bleiberecht als ein 15-jähriger?

Ich bin enttäuscht. Ich bin enttäuscht, weil Sie könnten, wenn Sie wollten. Sie könnten Vorsätze für 2019 wahr machen und ein besserer Politiker werden, einer der dann vielleicht auch parteichefwürdig sein würde. Statt immer wieder nur nach Beifall aus dem rechten Lager zu schielen. Dort ist die Zahl der Christen und der Demokraten nicht sonderlich hoch.

Also, überdenken Sie bitte alles, was Sie da an gerade noch nicht körperverletzenden Ideen zur Altersbestimmung sich zusammengedacht haben! So etwas wie eine Fristenlösung für Asyl- und Bleiberecht darf es nicht geben. Nicht im christlichen Abendland und ganz gewiß nicht in Deutschland und unter Einbindung deutscher Ärzte.

Ihr
Karlheinz Bayer zum Beitrag »

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