Ärzte Zeitung, 18.07.2012

Sars - ein Erreger fliegt um die Welt

Sars - ein Erreger fliegt um die Welt

Es ist eine unheimliche Krankheit, die sich ab März 2003 zunächst vor allem in Asien, dann aber auch auf anderen Kontinenten schnell ausbreitet. Doch die Epidemie kann schnell eingedämmt werden.

Von China aus in die Welt - Sars verbreitet sich in Windeseile

Sanitäter bringen einen Mann in Singapur zum Sars-Screening.

© Drake/dpa

März 2003. Im März 2003 häufen sich in den Medien plötzlich Berichte über eine mysteriöse Lungeninfektion, die sich in Windeseile ausbreitet und oft tödlich verläuft.

Die Nachrichten wirken beunruhigend, denn obwohl das Virus zunächst vor allem in China und anderen asiatischen Ländern Opfer fordert, taucht es schnell auf fast allen anderen Kontinenten auf. Sars (Schweres akutes Atemwegssyndrom) ist weltweit ein großes Thema.

Die Epidemie wird als ein negativer Nebeneffekt der Globalisierung gesehen. Allerdings gibt es bei aller Tragik für die Betroffenen auch positive Aspekte.

Denn noch nie sei ein neuer Erreger bereits zwei Wochen nach Bekanntwerden einer Erkrankung identifiziert und nach weiteren zwei Wochen das Erbgut dieses Erregers vollständig entziffert worden, berichtete im Juli 2003 der Virologe Jochen Ziebuhr von der Universität Würzburg.

Die Sars-Eindämmung sei in der Geschichte der Medizin ein beispielloser Erfolg internationaler Zusammenarbeit. Insgesamt 13 Laboratorien aus aller Welt, darunter auch das Hamburger Tropeninstitut, tauschten täglich auf einer Telefonkonferenz ihre neuen Resultate aus.

Nach nur wenigen Monaten gilt der Ausbruch der neuen Lungenkrankheit als beendet: Seit November 2003 waren nach Angaben der WHO über 800 Menschen an der Krankheit gestorben, mehr als 8400 Menschen galten als krank, 200 wurden im Juli noch in Kliniken behandelt. Ein Teil der Überlebenden behielt bleibende Lungenschäden zurück.

Aus der Provinz Guangdong breitet sich Epidemie aus

Sars - Chronologie einer Virusinfektion

November 2002: Erste Fälle der neuen Lungenerkrankung tauchen in der chinesischen Südprovinz Guangdong auf, ohne dass dies weltweit beachtet wird.

21. Februar 2003: Ein Arzt aus China infiziert in einem Hotel in Hongkong mindestens 16 Menschen. Das Virus wird von dort aus auch nach Kanada getragen. Dort sterben im Verlauf der Epidemie 41 Menschen.

12. März 2003: Die WHO warnt vor einer neuen Lungenerkrankung in Asien.

15. März 2003: In Deutschland landet ein Sars-kranker Arzt aus Singapur. Die WHO erklärt Sars zu einer "weltweiten Bedrohung".

29. März 2003 Der Entdecker des Sars-Virus, der italienische Arzt und WHO-Epidemiologe Dr. Carlo Urbani, erliegt in Bangkok den Folgen der Infektion.

1. April 2003 Die US-Regierung gibt eine Reisewarnung für Südostasien heraus und beruft Mitarbeiter aus ihren Botschaften ab, die nicht unbedingt vor Ort sein müssen.

5. April 2003: China räumt ein, das wahre Ausmaß des Ausbruchs verdeckt zu haben.

11. April 2003: Die WHO ruft einen weltweiten Gesundheitsalarm aus, nachdem bestätigt worden war, dass sich die Krankheit durch Interkontinentalflüge weiter ausgebreitet hatte.

16. April 2003: Die WHO bestätigt die Identifizierung des Sars- Erregers.

28. April 2003: Vietnam bringt als erstes Land Sars unter Kontrolle.

6. Juli 2003: Die WHO streicht Taiwan als letztes Land von der Liste der Sars-Infektionsgebiete.

19. Mai 2004 Die WHO erklärt, dass die Pandemie auch in Peking besiegt worden und damit beendet sei.

Der vorläufige Erfolg im Kampf gegen die Lungenkrankheit beruhte laut Ziebuhr vor allem auf drei Faktoren. Die WHO habe ohne größere Rücksicht auf politische Eitelkeiten weltweit Alarm geschlagen und den Kampf gegen Sars angetrieben.

Die betroffenen Länder hätten, zum Teil nach langem Zögern, ihre Bürger informiert und Zwangsisolierungen durchgesetzt.

Und nicht zuletzt hätten Ärzte ungewöhnlich rasch Forschungsergebnisse ausgetauscht und zu ihrem wichtigsten Mittel gegen Viren gegriffen: Fieberthermometer, Mundschutz und Isolierstation.

Dabei mussten sich die Ärzte bei der Eindämmung von Sars sputen: Die Viren vermehrten sich in China bereits seit November 2002, zunächst gut geschützt durch Gesundheitsbeamte, die die Krankheit vertuschen wollten.

Weltweit verbreitet wurde die Lungenkrankheit erst im Februar von einem Arzt, der nach einer Chinareise bei nur einer Hotel-Übernachtung in Hongkong mindestens 16 Menschen infizierte.

Mitte März kamen die Sars-Viren mit drei Fluggästen aus Singapur nach Deutschland. Die Personen wurden jedoch sofort isoliert. So wurden weitere Ansteckungen verhindert.

Die Ursache für das Entstehen des Virus wurde in dem engen Zusammenleben von Menschen und Tieren und dadurch bedingte schlechte hygienische Zustände in der südchinesischen Provinz Guangdong gesehen, von wo aus sich die Epidemie ausbreitete. (chb/eb)

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