Ärzte Zeitung, 17.08.2012

Schröder kann es nicht glauben - Merkel wird Kanzlerin

Schröder platt - Merkel wird Kanzlerin

Es ist ein hauchdünner Wahlsieg, den Angela Merkel im September 2005 einfährt. Aber der Vorsprung von einem Prozent vor der SPD reicht aus, um den Anspruch auf das Kanzleramt geltend zu machen. Amtsinhaber Gerhard Schröder braucht etwas Zeit, um das zu verstehen.

Schröder kann es nicht glauben - Merkel wird Kanzlerin

Angekratztes Image: Sein arrogantes Auftreten am Wahlabend hat Schröder Sympathien gekostet. Merkel blieb gelassen.

© dpa

18. September 2005 Lange Gesichter gibt es am Abend der Bundestagswahl 2005. Der Grund: Das Wahlergebnis schmeckte keiner Partei so richtig. Es reichte nicht für eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition, aber Schwarz-Gelb hatte auch keine Mehrheit.

Zudem lag die CDU genau ein Prozent vor der SPD, hätte also in einer großen Koalition das Recht gehabt, die Kanzlerin zu stellen.

Für Amtsinhaber Gerhard Schröder ist das mit Blick auf seine Herausforderin Angela Merkel nicht vorstellbar. So bleibt bis heute sein Auftritt in der Berliner Elefantenrunde der Parteivorsitzenden unvergessen.

"Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel in dieser Sachlage einginge, in dem sie sagt, sie möchte Kanzlerin werden? Also ich meine, wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen", klärte Schröder die verdutzten Journalisten im Studio sowie die Zuschauer auf.

Schröder selbst sah seinen Auftritt später selbst kritisch: "War nicht gut, ich weiß", sagte er kurze danach.

Merkel: Erste Kanzlerin, jüngste Amtsinhaberin

Der Noch-Kanzler wurde schnell von der Realität eingeholt. Am 22. November 2005 wurde Angela Merkel erste Kanzlerin der Bundesrepublik und sie ist mit 51 Jahren auch die jüngste Amtsinhaberin.

In Merkels erstem Kabinett versammelt sich geballte gesundheitspolitische Kompetenz. Denn der neuen Regierung gehören mit Ulla Schmidt die alte und neue Gesundheitsministerin an, ebenso mit Horst Seehofer einer von Schmidts Amtsvorgängern.

Aus Niedersachsen rückt die damalige Landesgesundheitsministerin Ursula von der Leyen als Familienministerin in das Bundeskabinett auf und Arbeitsminister Franz Müntefering hatte schon als Ressortchef dem NRW-Gesundheitsministerium vorgestanden.

Klar wird schnell, dass sich bei dieser politischen Konstellation keine großen Systemumwälzungen durchsetzen lassen. Weder von der Bürgerversicherung, noch von der Kopfpauschale, - beide große Wahlkampfthemen - ist in den Koalitionsverhandlungen groß die Rede. Sie lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren.

Große Koalition stemmt einige gesundheitspolitische Reformen

Aber einige gesundheitspolitische Reformen werden in der Großen Koalition doch auf den Weg gebracht. So wird 2006 das Arzneispargesetz verabschiedet, das bei Ärzten vor allem wegen der Bonus-Malus-Regelung für Aufruhr sorgt.

Sie befürchten, dass die Regelung einen Keil des Misstrauens in das Arzt-Patienten treiben könnte, weil Ärzte dem Verdacht ausgesetzt seien, zu ihren Gunsten auf Kosten der Patienten zu sparen.

Mit dem von der schwarz-gelben Koalition 2011 verabschiedeten Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz wird die Regelung wieder gekippt, sie hatte sich allerdings auch als wenig sinnvoll erwiesen.

2007 folgt dann mit dem Wettbewerbsstärkungsgesetz eine weitere große Gesundheitsreform. Es wird die erste Reform, bei der es nicht primär um Kostendämpfung geht. (chb)

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