Ärzte Zeitung online, 14.10.2010

Keine Chance für Keime

Hygienemaßnahmen sind das beste Mittel gegen gefährliche Keime im Krankenhaus. Dabei spielen Oberflächen und Materialien eine wichtige Rolle.

Von Benedikt Baikousis

Keine Chance für Keime

Hände übertragen Keime: Halmer-Türgriffe lassen sich per Arm öffnen

© Halmer

Mangelnde Hygiene in Krankenhäusern ist ein ernstes Problem. Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 15 000 Menschen, die sich mit Krankenhauskeimen infizieren, schätzt das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité.

Häufigster Übertragungsweg: die Hände des Personals. Besonders betroffen sind Flächen, die oft angefasst werden, wie der Sanitärbereich für Patienten, das Bettgestell, aber auch Türgriffe und Schalter.

Besonders gefährdet: Flächen mit häufigem Händekontakt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt daher - neben der wichtigen Händedesinfektion -, diese Flächen als Risikobereich häufig und gründlich zu säubern. Dabei muss das Oberflächenmaterial bestimmte Anforderungen erfüllen. Das RKI gibt keinen Material-Ratschlag - üblicherweise bestehen etwa Türgriffe aus Kunststoff, Aluminium oder Edelstahl.

Die Oberflächen sollten jedoch unbedingt glatt sein. Besonders wichtig: Das Material muss mit Desinfektionsmitteln und -verfahren mit den in der RKI-Liste angegebenen Konzentrationen und Einwirkzeiten zu reinigen sein. Das Gleiche gilt für den Fußboden. Daher hält das RKI Teppichböden für ungeeignet. Und auch Holz ist hier als Material nur bedingt zu empfehlen. Parkett müsste fugenfrei verlegt und scheuerfest lackiert werden. Lebhaft diskutiert und erforscht wird seit einigen Jahren die antimikrobielle Wirkung von Kupfer - so auch in der Asklepios-Klinik in Hamburg-Wandsbek. "Die jetzt erzielten Ergebnisse, eine Reduzierung der Keime um mehr als ein Drittel, machen Hoffnung. Kontaktflächen wie Griffe und Schalter aus Kupfer können damit eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Hygienemaßnahmen wie der Händedesinfektion sein", sagt Professor Dr. Jörg Braun.

Doch ist eine solch ergänzende Maßnahme überhaupt sinnvoll? Professor Dr. Petra Gastmeier vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité in Berlin meint: "Ich halte davon nicht so viel, denn die Wirkung ist doch begrenzt. Viel wichtiger ist es, die herkömmlichen Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion gründlich umzusetzen."

ArztRaum Nr. 3/2010 als PDF zum Download

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