Ärzte Zeitung online, 09.12.2010

Genesen und genießen wie im Hotel

Die Zimmer im Patientenhaus der Uniklinik Mannheim haben europäischen Hotel-Standard und nehmen seit 2008 Low-Care-Patienten auf. Die Belegungsraten zeigen: Bei den Kunden kommt das Modell gut an.

Von Tim Braun

Genesen und genießen wie im Hotel

Am Empfang erwartet die Patienten eine Atmosphäre wie im echten Hotel.

© Klinikotel

Das Universitätsklinikum Mannheim hat gewagt, wovor viele Entscheidungsträger in Krankenhäusern sich bislang scheuen: Im November 2008 begann dort der Betrieb des Klinik-eigenen Patientenhauses mit 120 Betten. 13,5 Millionen Euro hat das Haus in öffentlicher Trägerschaft dafür in die Hand genommen.

"Das Klinikum brauchte ein neues Bettenhaus, weil ein Außenstandort geschlossen werden sollte", sagt Roland Wappelhorst, Prokurist des Betreiberunternehmens Klinikotel GmbH aus Osnabrück. Da ohnehin Investitionen für ein neues Haus anstanden, sei der Weg zu einem Hotelkonzept nicht ganz so lang gewesen wie vielleicht andernorts.

Das Problem mit den Hotelkonzepten an deutschen Krankenhäusern ist nämlich: Sie hören sich zwar gut an, aber bislang wurden nur wenige Projekte in die Tat umgesetzt. Und es spricht wenig dafür, dass sich an der Zurückhaltung so schnell etwas ändern wird.

"Vor ein bis zwei Jahren gab es einen regelrechten Hype, was das Thema angeht", sagt Mark Zluhan, Mit-Geschäftsführer des auf die Gesundheitswirtschaft spezialisierten Beratungsunternehmens Blue Management. Große Hotelketten wie Ramada und Maritim stellten sich als potenzielle Partner vor und hofften auf ein Geschäftsfeld im Gesundheitsmarkt.

Genesen und genießen wie im Hotel

Im modernen Speisesaal fällt es leicht, den Grund des Aufenthaltes zu vergessen.

© Klinikotel

Aber: "Die Frage ist doch: Wo passt ein derartiges Konzept eigentlich? Im Endeffekt hauptsächlich an Uni-Kliniken mit einer hohen Fallzahl und zusätzlich einem hohen Anteil ausländischer Privatzahler", so Zluhan. Außerdem laufe das Konzept, das in der Praxis auf einen Bettenausbau ziele, der politischen Absicht zuwider, die Bettenanzahl in der deutschen Krankenhauslandschaft insgesamt zu reduzieren.

Die GKV übernimmt grundsätzlich die Kosten

Hinzu kommen rechtliche Hürden, weswegen in Mannheim auch einiger Mut dazu gehörte, das Patientenhaus zu bauen. Denn: Besonders bei den Privatversicherern hat sich das Uni-Klinikum keine Freunde gemacht. "Für Privatpatienten, die im Patientenhaus untergebracht sind, kann das Klinikum nur eingeschränkt Wahlleistungen abrechnen", so Wappelhorst.

Das Konzept scheint trotzdem aufzugehen: "Die GKV übernimmt grundsätzlich die Kosten - denn die Unterbringung im Patientenhaus ist nicht teurer und die Vergütung erfolgt schließlich nach DRG", erklärt Klaus Wingen, Pressesprecher der Uniklinik

Mannheim. "Seit der Eröffnung hat sich die Fallzahl der HNO-Klinik, dem Hauptbeleger, um 30 Prozent erhöht", berichtet Prokurist Wappelhorst. Derzeit seien die Zimmer zu 70 Prozent belegt, bereits bei einer Belegung von 65 Prozent liefe der Betrieb kostendeckend.

Die Zimmer sind allesamt Ein-Bett-Zimmer, die Ausstattung entspricht dem europäischen Hotel-Standard: funktional, hell, freundlich. An Klinik erinnern wiederum einige Ausstattungsfeatures: Die Betten sind um zehn Zentimeter höher als herkömmliche Hotelbetten, das Badezimmer ist barrierefrei und die gesamte Ausstattung der Räume antiallergisch.

"Die Zimmer im Patientenhaus entsprechen deutschem Drei-Sterne-Komfort und stehen auch Angehörigen zur Verfügung, die Patienten in der Klinik besuchen. Der Preis für eine Übernachtung entspricht dem vergleichbarer Mannheimer Hotels und liegt bei etwa 70 Euro pro Nacht", so Wingen. Für ein zusätzliches Besucher-Bett in dem Zimmer fielen lediglich 45 Euro an.

Der vollständige Artikel in der aktuellen Ausgabe von ArztRaum Nr. 4_2010, Seite 8

Lesen Sie dazu auch das Interview:
Interview: "Vorteile im Low-Care-Bereich nutzen!"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »