Ärzte Zeitung, 13.06.2012

Kandidat für den Springer Medizin CharityAward 2012: Seniorenprojekt Stadt Rödental

Fit im Alter - in Rödental kein Problem

Fit im Alter - in Rödental kein Problem

Wie können Städte auf die zunehmende Vergreisung ihrer Einwohner reagieren? Die fränkische Kleinstadt Rödental hat ein vorbildliches Konzept entwickelt, das Sturzprophylaxe, Mobilität und häusliche Versorgung einschließt.

Von Pete Smith

Fit im Alter - in Rödental kein Problem

Gegen die Vereinsamung im Alter: Viele Rödentaler treffen sich regelmäßig.

© Stadt Rödental

In Deutschland leben knapp 82 Millionen Menschen, davon sind mehr als 20 Millionen zwischen 60 und 80 Jahre alt, fünf Millionen sogar älter als 80, Tendenz steigend. Der demografische Wandel stellt das Land vor enorme Herausforderungen.

Das betrifft auch die Stadtplanung. Ein wegweisendes, seniorenpolitisches Gesamtkonzept hat die Stadt Rödental, eine Kleinstadt im oberfränkischen Landkreis Coburg, entwickelt.

Rödental hat etwa 14.000 Einwohner. Ein Viertel der Einwohner sind über 60 und 4,5 Prozent über 85 Jahre alt. Um den alten und hochbetagten Bürgern der Stadt ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, traf der Stadtrat 2002 eine zukunftsorientierte Entscheidung.

Im Auftrag der Stadt setzte sich deren Seniorenbeauftragter, der Allgemeinarzt Dr. Wolfgang Hasselkus, mit den alten Menschen zusammen, um deren Wünsche zu ermitteln. Drei Monate lang dauerte die Befragung, 15 Seniorengruppen wurden besucht.

Die meisten Senioren äußerten den Wunsch, möglichst lange selbstständig zu bleiben. Daraus wurden acht Arbeitsfelder markiert:

Stolperfallen im Zentrum beseitigen oder kenntlich machen

Sichere Übergänge für Benutzer von Rollatoren schaffen

Für eine Seniorenkompetenz in den Geschäften sorgen (Ausweisung von Toiletten und Ruheplätzen)

Selbst öffnende Türen in den Geschäften im Zentrum installieren

Öffentliche Toiletten ausbauen

An strategisch wichtigen Punkten der Stadt Bänke anbringen, um die Mobilität der Senioren zu erweitern

Für einen leichteren Ein- und Ausstieg in den Stadtbus sowie eine größere Schrift beim Fahrplan sorgen

Eine finanzierbare häusliche Versorgung gewährleisten.

Viele Themen wurden umgesetzt

Seniorenprojekt Stadt Rödental

Fit im Alter - in Rödental kein Problem

Die 14.000 Einwohner zählende Stadt Rödental hat ein Gesamtkonzept entwickelt, um ihren alten und hochbetagten Bürgern so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Dazu wurden im Zentrum der Stadt Stolperfallen beseitigt oder markiert, Bänke aufgestellt, sich selbst öffnende Türen installiert, Ruhezonen geschaffen sowie für leichtere Ein- und Ausstiege in den Stadtbus gesorgt.

Darüber hinaus hat Rödental seniorengerechte Wohnungen initiiert, Nachbarschaftshilfen organisiert und ehrenamtliche Helfer geschult, die hochbetagte Bürger daheim besuchen, um mit ihnen Kraftübungen zu absolvieren und ihren Gesundheitszustand zu kontrollieren.

www.roedental.de

Im Anschluss an die Analyse und die Vorstellung im Stadtrat wurden die von den Senioren angesprochenen Themen in Angriff genommen: Bürgersteige wurden abgesenkt, Sturzfallen beseitigt, Stufen farblich markiert sowie stadtweit Bänke installiert, wo sich die Senioren auf dem Hin- oder Rückweg zum Arzt oder Einkauf ausruhen können.

Auch einige Geschäfte beteiligten sich an der Initiative, indem sie Sitzmöglichkeiten schufen und sich selbst öffnende Türen installierten.

In einem nächsten Schritt machte sich die Stadt Rödental daran, für ein bestimmtes Quartier Konzepte für barrierefreies Wohnen zu entwickeln. Dazu zählten beispielsweise behindertengerechte Wohnungen im Parterre, eine seniorengerechte Gestaltung der Außenanlagen, Nachbarschaftsinitiativen und häusliche Hilfen.

Im vergangenen Jahr wurde das Projekt "Wohnen in allen Lebensphasen" offiziell eingeweiht.

"Fit für den Alltag!" lautet das Motto eines Präventionsprogramms, für das die Stadt Rödental ehrenamtliche Helfer - und sie sind der Schlüssel zu den vielen Projekten in Rödental -, die selbst jeweils zwischen 60 und 84 Jahre alt sind, gewinnen konnte.

Sie besuchen hochbetagte, sturzgefährdete Senioren daheim und nehmen sich mit ihnen gemeinsam zehn Wochen lang zweimal pro Woche Gleichgewichts- und Kraftübungen vor.

Dadurch sollen Stürze verhindert und die Selbstständigkeit erhalten werden. Im Anschluss haben die Hochbetagten die Möglichkeit, das Training in einer Übungsgruppe weiterzuführen, wobei ihnen ein kostenloser Fahrdienst zur Verfügung steht.

Wöchentliche Besuche

Ein weiteres Projekt mit ehrenamtlichen Helfern zielt darauf ab, regelmäßig den Gesundheitszustand jener hochbetagten Rödentaler zu ermitteln, die noch daheim leben.

Auf Wunsch erhalten die Senioren wöchentlich Besuch von speziell geschulten Helfern, die nach Anweisung des Hausarztes Sauerstoffsättigung, Temperatur, Puls und Atemfrequenz der Hochbetagten messen, um auf diese Weise Verschlechterungen des Gesundheitszustandes rasch feststellen zu können.

Vorrangiges Ziel dabei ist, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und eine Heimunterbringung so weit wie möglich hinauszuzögern.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Rödental den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Altenhilfepreis erhalten.

Mit dem Preisgeld will man die Sturzprophylaxe weiter ausbauen, die Ernährungssituation der alten Menschen verbessern sowie weitere Treffen, Vorträge und Feste veranstalten, die allesamt der schleichenden Vereinsamung der hochbetagten Bürger entgegenwirken sollen.

Topics
Schlagworte
Charity-Award 2012 (15)
Personen
Pete Smith (527)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Springer Medizin CharityAward 2012

Das Kinder- und Jugend­hospiz Balthasar hat den diesjährigen Springer Medizin CharityAward gewonnen. Am 18. Oktober 2012 ist der Preis verliehen worden.

Mit dem Springer Medizin CharityAward wird jedes Jahr das herausragende Engagement einer Stiftung, Organisation oder Institution ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise der Gesundheitsversorgung in Deutschland verpflichtet fühlt. Der Preis ist mit einem Medienpaket im Wert von 100.000 € dotiert.