Ärzte Zeitung online, 17.06.2010

WM-Nachsehen: TV-Digitaltechnik verzögert Torfreude

BERLIN (dpa). Neue TV-Technik kann wunderbar sein - außer zur Fußball-Weltmeisterschaft. Denn wer will schon vom schreienden Nachbarn erfahren, dass Poldi gerade ein Tor geschossen hat.

Von Esteban Engel

WM-Nachsehen: TV-Digitaltechnik verzögert Torfreude

Zuerst der Torjubel, dann der Torschuss - viele Fernsehzuschauer erfahren zurzeit, dass live nicht gleich live ist. Als sich unlängst die Nachbarn bereits über den ersten deutschen WM-Treffer freuten, hechtete ein Haus weiter Poldi noch über den Bildschirm. Bis alle TV-Gucker in Deutschland das deutsche Führungstor in Durban mitbekommen hatten, waren zum Teil lange Sekunden vergangen. Die lautstarke Begeisterung aus der Eckkneipe verhagelte manchem Fan im Wohnzimmer die Spannung beim Fußballgenuss.

Das Nachsehen haben jene, die sich mit Digitalempfänger, HD-Gerät oder Internet-Fernsehen an die Spitze der Entwicklung gesetzt haben. Wer analog WM schaut, kann zuerst jubeln. Im Gegensatz zum herkömmlichen Analogempfang, kommt mit der Digitaltechnik das Bild aus Südafrika mit Verzögerung am heimischen Fernseher an, wie Sprecher von Fernsehanstalten und Kabelnetz-Betreibern bestätigten.

Seitdem es Satelliten-TV gibt, gehört der verzögerte Empfang von Fernsehbildern zum Alltag. Das Signal muss in 36 000 Kilometer aufsteigen und wieder herunter, benötigt dafür nur einen Sekundenbruchteil länger, als die Übertragung über Antenne.

Allerdings ist das analoge Antennen-Fernsehen weitgehend Geschichte. Antennen gibt es zwar noch immer, aber vor allem für den terrestrischen Digital-Empfang (DVB-T). "Wegen vieler Faktoren und Varianten ist es schwierig, genau vorherzusagen, welcher Weg beim Zuschauer am schnellsten ankommt", erklärte ein ZDF-Sprecher. Zwischen dem schnellsten und dem längsten Übertragungsweg liegt manchmal bis zu einer halben Minute.

So haben die gestochen scharfen Bilder aus Südafrika ihren Preis. Für die digitalen Verbreitungswege Kabel (DVB-C), Terrestrik (DVB-T), Satellit (DVB-S oder DVB-S2) sowie über das Internet-Fernsehen IPTV müssen die Programme in einem aufwendigen und zeitintensiven Rechenprozess "codiert" werden, wie es in einem ZDF-Leitfaden heißt. Je nach Norm kann dieser Prozess bis zu fünf Sekunden dauern - erst dann wird das Signal vom Sender ausgestrahlt. Zu Hause beim Zuschauer müssen die Programme wieder von den digitalen Empfangsgeräten "decodiert" werden. Auch dieser Prozess nimmt Zeit in Anspruch und hängt vom Decoder ab.

Doch auch mit der Einspeisung in das Kabelnetz können weitere wertvolle Sekunden hinzukommen - ein Ärgernis, wenn es etwa Elfmeterschießen gibt. "Das summiert sich auf der ganzen Strecke", wie ein Sprecher von Kabel Deutschland bestätigt.

Nach einer "Rangliste der Schnelligkeit" steht das analoge Kabel an der Spitze, gefolgt vom digitalen Kabel (DVB-C) und dem digitalen Satelliten-Empfang in herkömmlicher SD-Qualität, gefolgt vom digitalen Antennen-Fernsehen (DVB-T) und dem digitalen Satelliten für die hochauflösenden Bilder in HD-Norm. Bei Internet-TV oder Handy kann sich der Empfang sogar um mehr als 30 Sekunden verspäten. Eine Lösung für das Problem gibt es immer - trotz hochaufgerüsteter Digitaltechnik auf Analogempfang umstellen.

Topics
Schlagworte
FIFA WM 2010 (163)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »