Ärzte Zeitung online, 11.06.2018

Cebit 2018

So geht gesünder laufen

Knieschonendes Laufen – das soll ein am Körper tragbarer Laufassistent unterstützen. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes stellen ihn auf der Cebit vor.

Laufassistent sorgt für gesündere Bewegung

Professor Antonio Krüger and Felix Kosmalla vom DFKI haben einen Laufassistenten entwickelt, der dem Läufer während des Laufens die richtige Bewegung antrainiert.

© Oliver Dietze / Uni-Saarland

HANNOVER. "Ja wo laufen sie denn?", heißt es bald auch wieder bei der Fußbll-WM. Doch das Laufen – vor allem über lange Distanzen – verursacht nicht nur bei den Profis, sondern auch bei Amateuren häufig Knieverletzungen.

Grund hierfür sind unter anderem die hohen Kräfte, die auf das Knie wirken, wenn der Läufer zuerst mit der Ferse auftritt. Stattdessen den Mittel- oder Vorderfuß zu nutzen, ist nicht nur schonender, sondern sorgt auch für einen effizienteren Laufstil.

Wissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und des Forschungszentrums Bildung Digital an der Universität des Saarlandes (FoBiD) haben daher einen am Körper tragbaren Laufassistenten entwickelt, wie die Universtiät mittelt.

Dieser trainiere dem Sportler während des Laufens die richtige Bewegung an. Cebit-Besucher können diesen am Stand G75 in Halle 27 ausprobieren.

Fersenläufer zeigen deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko

"Studien zeigen, dass Fersen-Läufer eine Verletzungsrate haben, die ungefähr zweimal so hoch ist wie die von Vorderfuß-Läufern", erklärt Antonio Krüger, Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes in der Mitteilung.

Krüger leitet nicht nur das Innovative Retail Laboratory am DFKI, sondern zusammen mit Professorin Julia Knopf auch das neu gegründete Forschungszentrum für Bildung Digital der Saar-Uni, kurz FoBiD. Daher interessierte ihn auch die Frage, ob die Läufer lediglich durch Informationstechnik einen neuen Bewegungslauf lernen können.

"Eine effektive Analyse der Lauftechnik ist bisher nur mithilfe von professionellen Trainern und Videos in Zeitlupe möglich. Auf so etwas haben Amateur-Sportler keinen Zugriff", erläutert Krüger weiter. Da jedoch immer mehr Menschen Langstrecken liefen und sich so dem Risiko von Knieverletzungen und Ermüdungsbrüchen aussetzten, sei eine Prävention mehr als notwendig.

Zusammen mit seinem Team entwickelte er daher den Laufassistenten "Footstriker". Der Prototyp wird vom Läufer am Körper getragen und sorgt mit Hilfe von Elektrostimulation (EMS) für die richtige Bewegung.

Schmerzlose Stromstöße bringen Fuß in die richtig Position

Die schmerzlosen Stromstöße kommen nach Angaben der Universität dabei von Elektroden, die sich der Läufer auf die Wade klebt. Den für die Steuerung notwendigen EMS-Generator und die Kontrolleinheit, einen Arduino-Mikrokontroller, trage er benfalls am Körper.

In den Schuhen befänden sich zudem Einlegesohlen, die mit Drucksensoren versehen sind. Durch diese lasse sich erkennen, ob der Läufer mit Ferse, Mittel- oder Vorderfuß auftrete und ob er Fuß gerade am Boden oder in der Luft sei.

Ist Letzteres der Fall und wurde zuvor der Auftritt per Ferse erkannt, löst die Kontrolleinheit einen schwachen, schmerzlosen Stromimpuls aus und der Wadenmuskel klappt den Fuß nach vorne. Der Läufer trifft dadurch nun mit Mittel- und Vorderfuß auf, läuft effizienter und schont seine Gesundheit.

Erfolg an kleiner Läufergruppe geprüft

Die Saarbrücker Informatiker haben ihren Laufassistenten an 18 Personen im Alter zwischen 24 und 36 Jahren getestet.. Sie konnten nachweisen, dass Footstriker nach einem Lauf über drei Kilometer im Vergleich zu den klassischen Kommandos eines persönlichen Lauftrainers zu signifikant weniger Fersenauftritten führt, berichtet die Universität. "Nach dem Lauf mit Footstriker haben wir die Läufer befragt.

Auf die Computermesse Cebit, die am heutigen Montag startet, laden die Forscher nun die Besucher ein, den Footstriker auf dem Laufband auszuprobieren (Stand G75, Halle 27). (eb)

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