Ärzte Zeitung online, 10.07.2018

Favoritenstürze

Europas Dominanz frustriert südamerikanische Superstars

Europäische Teams sind in der WM-Schlussphase unter sich. Was sind die Gründe? Wo bleiben die Südamerikaner?

Von Florian Lütticke

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Südamerikanische Teams ohne Chance: Die erfolgsverwöhnten Superstars Lionel Messi (Argentinien, links ) und Neymar (Brasilien) werden die WM in Russland in schlechter Erinnerung behalten.

© picture alliance / ULMER

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin ist vom Erfolg europäischer Mannschaften bei der Fußball-WM nicht überrascht. Es verwundere ihn nicht, dass vier Teams aus Europa im Halbfinale um den Einzug ins Endspiel kämpfen, sagte er am Montag bei einem Besuch in Lettland.

"Der Fußball in Europa ist anders organisiert. Es gibt mehr Infrastruktur, mehr technisches Personal. Wir arbeiten ganz anders und der Unterschied wird jedes Jahr immer größer", sagte Ceferin auf einer Pressekonferenz in Riga.

Dieses europäische WM-Endspiel wird eine Premiere. Egal, wer sich in den Halbfinals Frankreich gegen Belgien und England gegen Kroatien durchsetzt – das Duell gab es als großen Höhepunkt um den Titel nie zuvor.

Nach dem Aus der Titelkandidaten von Deutschland über Brasilien und Argentinien bis Spanien bei der WM der Überraschungen in Russland müssen die langjährigen Großmächte nun aufpassen, dass der Triumph des neuen Fußball-Europas nicht zu einer Zeitenwende führt.

Nach der vorzeitigen Pleite der deutschen Mannschaft verfolgen viele Fans die Schlussphase des Turniers mit einer Mischung aus Frust und Verunsicherung.

"Kompakt und gut organisiert"

"Wer immer die Favoriten auf den Sieg waren, die großen Teams, sie sind zuhause", sagte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic über die Konstellation bei dieser WM.

"Die Teams, die hart arbeiten, die kompakt sind, die vereint und gut organisiert sind, die sind noch hier in Russland. Und das ist der Charakter der verbliebenen Mannschaften."

Frankreich war als Weltmeister von 1998 noch der etablierteste der vier Semifinalisten, musste aber auch seit 2006 auf den Einzug unter die Top Vier der Welt warten.

Für England ist es der erste Sprung in die Vorschlussrunde seit 28 Jahren. Belgien (1986) und Kroatien (1998) schafften dies überhaupt erst einmal.

Zum fünften Mal in der WM-Geschichte sind die Europäer im Halbfinale komplett unter sich, zuvor war dies 2006, 1982, 1966 und 1934 der Fall. Damit kommt der vierte Weltmeister in Serie aus Europa. "Das ist vielleicht auch eine kleine Revolution und zeigt, dass sich die europäischen Mannschaften weiter entwickelt haben", sagte Frankreichs Stürmer Olivier Giroud.

Dabei erlebten die südamerikanischen Vertreter ihr schlechtestes Turnier seit 2006, scheiterten in der Vorrunde (Peru), Achtelfinale (Argentinien/Kolumbien) und Viertelfinale (Brasilien/Uruguay).

Champions League als Geldquelle

"Die Wahrheit aus finanzieller und historischer Sicht" könne nicht ignoriert werden, sagte Uruguays Trainer Oscar Tabarez nach der 0:2-Niederlage gegen Frankreich zu den Gründen.

"Fragen Sie mich nichts, was selbstverständlich ist." Vor acht Jahren stand Uruguay noch selbst als einziges südamerikanisches Team im Halbfinale, verlor am Ende das Spiel um Platz drei gegen Deutschland.

Die Dominanz der europäischen Ligen durch die Milliarden-Einnahmen in der Champions League befeuert aus Sicht der Außenseiter aus Afrika, Asien und Amerika auch ein Ungleichgewicht auf der Weltbühne.

 "Meine Meinung nach 37 Jahren im Geschäft ist, dass es klar ist: Die Lücke ist groß und sie wächst weiter und wird weiter wachsen, WM für WM", sagte Irans Coach Carlos Queiroz über die Unterschiede der Kontinente. "Europa bis zum Ural" überschrieb die französische "L'Équipe" ihre Analyse der Dominanz.

Nur drei zusätzliche Plätze

14 der 32 Teilnehmer der WM kamen aus Europa (44 Prozent). Dieser Anteil erhöhte sich vom Achtelfinale (62) über das Viertelfinale (75) bis zum EM-gewordenen Halbfinale. In der Verteilung der Startplätze sehen die anderen Erdteile künftig aber auch eine Chance, die Vormachtstellung etwas einzudämmen.

Wenn spätestens die WM 2026 mit 48 Teams gespielt wird, bekommt die UEFA fix nur drei zusätzliche Startplätze. Doch auch 29 Prozent können am Ende 100 werden. (dpa)<

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