Ärzte Zeitung online, 07.07.2011

Dopingverdacht: Nordkoreas Team muss geschlossen zur Kontrolle

Zwei Spielerinnen Nordkoreas wurden positiv auf Dopingsubstanzen getestet. Nach dem Match gegen Kolumbien mussten daraufhin alle Fußballerinnen aus dem WM-Kader der Asiatinnen zur Dopingkontrolle. Ein Novum in der WM-Geschichte.

Von Roland Leroi

Dopingverdacht: Nordkoreas Mannschaft muss geschlossen zur Kontrolle

Ein trauriges Ende nahm die Weltmeisterschaft für Nordkorea. Alle Spielerinnen mussten zur Dopingkontrolle.

© dpa

BOCHUM. Keine Tore geschossen, dafür mit zwei positiven A-Proben belastet: Für die Fußballerinnen Nordkoreas ging die Weltmeisterschaft in Deutschland mit einem handfesten Dopingskandal zu Ende.

"Das ist ein trauriger Tag, wir sind sehr bedrückt durch diese Tatsachen", sagte Jiri Dvorak, der Medizinische Direktor des Weltverbandes FIFA.

Song Jong Sun und Jong Pok Sim unter Dopingverdacht

Unmittelbar vor dem Abschluss der Gruppe C am Mittwochabend in Bochum waren die nordkoreanischen Abwehrspielerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim wegen positiver Dopingproben von der FIFA für die Begegnung gegen Kolumbien (0:0) gesperrt worden.

Anschließend wurde gegen die gesamte Mannschaft Nordkoreas laut Dvorak eine "zielgerichtete Fahndung" eingeleitet.

Es war ein gespenstisches Bild, als 19 von der FIFA beauftragte junge Damen mit "Doping-Leibchen" nach dem Match aus dem Spielertunnel in den Innenraum des WM-Stadions kamen und wie Bodyguards die ebenso ratlos wie schüchtern wirkenden asiatischen Fußballerinnen einzeln zur Kontrolle führten.

Diese Maßnahme sieht laut Dvorak das Anti-Doping-Reglement vor, wenn mehr als eine Spielerin aus einem Team positiv auf verbotene Substanzen getestet wurde.

Nordkorea muss wenige Minuten vor Anpfiff die Startelf umbauen

Song Jong Sun und Jong Pok Sim wurden nach FIFA-Angaben nach dem ersten und zweiten Gruppenspiel Nordkoreas gegen die USA (0:2) und Schweden (0:1) entsprechend kontrolliert. Beide waren jeweils über die komplette Spielzeit zum Einsatz gekommen.

Die Ergebnisse, die im WADA-Labor in Kreischa und im Institut für Biochemie in Köln ermittelt wurden, lagen erst am Mittwoch vor. "Es dauerte länger, weil das eine technisch aufwendige Untersuchung ist", meinte Dvorak.

Offenbar gerade noch rechtzeitig, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Song Jong Sun und Jong Pok Sim standen auf der von Nordkoreas Coach Kim Kwang Mi freigegebenen ursprünglichen Startaufstellung für das Kolumbien-Spiel, die nach der Suspendierung wenige Minuten vor dem Anpfiff neu aufgelegt werden musste.

Gefundene Substanzen werden nicht genannt

Details über die Substanzen, die in den Urinproben der Nordkoreanerinnen gefunden wurden, wollte Dvorak nicht preisgeben.

"Die Analyse ergab, dass sie auf der Liste der verbotenen Substanzen stehen", erklärte der seit 1994 in seinem Amt arbeitende Chefmediziner.

Seines Wissens sei es das erste Mal und somit ein historisches Ereignis, dass bei einer Fußball-Weltmeisterschaft eine zielgerichtete Fahndung eingeleitet werden musste. Beide Spielerinnen hätten noch Gelegenheit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen.

Mit hängenden Köpfen abgereist

Die am Mittwochabend genommenen Dopingproben der verbliebenen 19 Spielerinnen würden nun so schnell wie möglich untersucht. "Das gesamte Team hat sich kooperativ gezeigt", meinte Dvorak.

Zu möglichen Konsequenzen für die Sportlerinnen und den nordkoreanischen Fußballverband konnte er nichts sagen: "Das entscheidet die Disziplinarkommission der FIFA."

Mit hängenden Köpfen verließ der nordkoreanische Tross nach Mitternacht den WM-Spielort. "Wir haben bei der WM viele Erfahrungen gesammelt und wollen uns künftig weiter verbessern", verkündete Trainer Kim Kwang Mi bei seiner sportlichen Analyse.

Jetzt blüht den Nordkoreanern allerdings ein Nachspiel, das sie wohl nicht einkalkuliert hatten.

DFB will Beziehungen zu Nordkorea ausbauen

Der Deutsche Fußball-Bund will trotz des Doping-Skandals seine Beziehungen zu Nordkorea ausbauen. "Dieser Vorfall ändert nichts an der Grundhaltung des DFB", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

"Dieser Vorfall unterstreicht den Eindruck von einem menschenverachtenden System in Nordkorea, in dem versucht wird, Sportler mit allen Mitteln zum Erfolg zu führen." (dpa)

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

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