Ärzte Zeitung online, 12.04.2011

Fukushima steht nun auf einer Stufe mit Tschernobyl

Fukushima jetzt auf höchster Gefahrenstufe

TOKIO (nös). Die japanische Regierung hat die Katastrophe im havarierten AKW Fukushima I auf die höchste Gefahrenstufe 7 der INES-Skale eingestuft. Damit schätzen die Behörden das Unglück ähnlich folgenschwer ein wie den Super-GAU von Tschernobyl.

Mit der Anhebung von zuvor Stufe 5 auf jetzt Stufe 7 gilt der Unfall in Fukushima als katastrophales Ereignis mit weitreichenden Auswirkungen.

In der offiziellen Kategorisierung der INES-Skala (International Nuclear and Radiological Event Scale) der internationalen Atomenergiebehörde IAEA wird von einem "bedeutenden Unfall" gesprochen.

Unfälle dieser Stufe bedeuten laut IAEA eine "bedeutende Freisetzung von Material mit weiträumigen Effekten". Bislang war nur der Super-GAU vom 26. April 1986 im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl als INES-7-Unfall eingestuft.

Grund für die neue Einstufung ist eine Bewertung der japanischen Atomsicherheitsbehörde NSC. Am Montag legte sie Berechnungen vor, wonach die Unglücksreaktoren in Fukushima Eins zeitweise bis zu zehntausend Terabecquerel pro Stunde (TBq/h) Radioaktivität freigesetzt hätten.

Die Einstufung innerhalb der INES-Skala hängt von drei Kriterien ab: radiologische Auswirkungen innerhalb der Anlage, außerhalb der Anlage und Beeinträchtigungen der Sicherheitsvorkehrungen.

Für die Beurteilung der INES-Stufen 4 bis 7 werden nur die Auswirkungen außerhalb der betroffenen Anlage bewertet. Hierzu wird laut dem INES-Handbuch der IAEA die Radioaktivität in Äquivalenten des Nuklids Jod-131 gemessen.

Demnach gilt die INES-Stufe 7, sobald mehr als 10.000 TBq Radioaktivität freigesetzt werden. Laut der japanischen Regierungsbehörde NSC war das in Fukushima Eins der Fall.

Für die INES-Berechnung werden außerdem für die verschiedenen freigesetzten Nuklide Gewichtungsfaktoren verwendet. Für Cäsium-137 etwa wird mit dem Faktor 40, für Plutonium-239 mit dem Faktor 10.000 multipliziert.

Erst Mitte März hatte die japanische Atomenergiebehörde NISA die Stufe des Unfalls in Fukushima Eins auf 5 heraufgesetzt.

Tage zuvor kamen Experten aus den USA und Frankreich bereits getrennt zu der Einschätzung, dass der Unfall mindestens auf INES-Stufe 6 einzuordnen sei.

Die Experten vom Washingtoner Institute for Science and International Security (ISIS) etwa begründeten ihre Einschätzung damals mit den jüngsten Entwicklungen.

Nach dem Feuer im Reaktor 4 und der Explosion in Reaktor 2 könne der Unfall "nicht länger als Level 4 eingeordnet werden".

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