Ärzte Zeitung online, 18.04.2011

Japan: Verstrahltes Wasser macht Probleme

TOKIO (dpa). Die Arbeiten in den zerstörten Atomreaktoren von Fukushima machen nur langsam Fortschritte. Verstrahltes Wasser macht Probleme. Die Produktionsausfälle japanischer Firma bekommen nun auch die Verbraucher in Deutschland zu spüren.

Japan: Verstrahltes Wasser macht Probleme

Große Mengen an radioaktiv verstrahltem Wasser erschweren die Arbeiten in der Atomruine Fukushima. Die Einsatzkräfte hoffen, schon bald Wasser aus einem Schacht des Reaktors 2 in einen Auffangbehälter abpumpen zu können, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Montag (18. April).

Sorge bereite hochgradig verstrahltes Wasser, das sich in einem Tunnelschacht angesammelt hat. Es sei innerhalb eines Tages um drei Zentimeter gestiegen.

Strahlenwerte liegen 6000 Mal höher

In den kritischen Reaktoren 1 und 3 maßen ferngesteuerte Roboter am Sonntag (17. April) Strahlenwerte von bis zu 57 Millisievert pro Stunde, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Montag (18. April) meldete.

Das ist nach Angaben des Betreibers Tepco fast 6000 Mal höher als im Normalbetrieb des Reaktors. Die Verstrahlung verzögere die Arbeiten, erklärte Tepco.

Greenpeace kritisiert Tepco scharf

Die Umweltorganisation Greenpeace warnte unterdessen vor einer weltweit steigenden Strahlenbelastung als Folge von Fukushima.

Der Greenpeace-Experte Christoph von Lieven sagte, der Plan des Kraftwerkbetreibers Tepco, wie er den Unfall in den kommenden neun Monaten bekämpfen wolle, beruhe auf unbekannten Grundlagen.

"Was Tepco hier sagt, ist einfach unseriös", sagte von Lieven der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sind uns nicht sicher, ob wir damit nicht noch Jahre zu tun haben. Und das ist ein weltweites Problem. Wir werden weltweit eine erhöhte Strahlenbelastung haben", prognostizierte der Umweltschützer.

Der Greenpeace-Fachmann warf Tepco vor, mit der Lage nicht zurande zu kommen. Die radioaktive Strahlung sei trotz der ergriffenen Maßnahmen weiter aus der Atomruine ausgetreten. "Die Evakuierungszone muss jetzt ausgeweitet werden, und zwar wirklich dringend."

Katastrophe wird sich auf Konsum in Deutschland aus

Fünf Wochen nach der Katastrophe in Japan bekommen Verbraucher in Deutschland die Folgen von Produktionsausfällen zu spüren. Viele Unternehmen in dem krisengeschüttelten Land hatten ihre Produktion unterbrechen oder einstellen müssen.

Bei Waren wie Kameras, Handys, Laptops oder LCD-Fernsehern, die auf Komponenten aus Japan angewiesen sind oder in dem Land gefertigt werden, seien ab Ende April merkliche Einschränkungen im Sortiment zu erwarten, schreibt die "Financial Times Deutschland" am Montag (18. April).

Dies sei das Ergebnis einer Umfrage bei Herstellern und Händler. Auf noch längere Wartezeiten müssten sich Käufer von japanischen Autos einstellen.

Der weltgrößte Autobauer Toyota nahm indes in allen japanischen Produktionsstandorten wieder die Arbeit auf.

Aktuelle Informationen zur "Katastrophe in Japan"

Topics
Schlagworte
Japan (439)
Organisationen
Toyota (35)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »