Ärzte Zeitung online, 09.12.2011

Fukushima: Strahlendosis stark überschritten

Fukushima: Strahlendosis stark überschritten

TOKIO (dpa). Bürger der japanischen Provinz Fukushima sind in den ersten vier Monaten nach dem Atomunfall einer Strahlenbelastung von bis zu geschätzten 37 Millisievert ausgesetzt gewesen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Untersuchung der Provinzregierung. Die in normalen Zeiten geltende Höchstgrenze liegt bei einem Millisievert pro Jahr (mSv/a).

Für die Untersuchung errechnete die Regierung eine geschätzte Strahlendosis auf Basis von Gesundheitschecks von rund 1730 der 29.000 Bewohner der Orte Namie, Kawamata und Iitate. Demnach liegt die durchschnittliche Dosis bei etwas über einem Millisievert, meldet die Agentur Kyodo.

Nach Angaben der Fukushima Medical University war etwa die Hälfte der 1730 Bewohner in den ersten vier Monaten nach Beginn der Atomkatastrophe in Folge eines Erdbebens und Tsunamis vom 11. März einer Strahlenbelastung von weniger als einem Millisievert ausgesetzt. Die übrige Hälfte war mehr als einem Millisievert ausgesetzt.

Reparaturtrupps stark belastet

Bei rund 40 Personen betrug die Dosis zwischen 5 und 10 Millisievert. Bei etwa einem Dutzend waren es mehr als 10 Millisievert, wobei die höchste Dosis rund 37 Millisievert betrug. Dazu zählen Menschen, die zu den Reparaturtrupps im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi gehörten, wie Kyodo weiter meldete.

Niemand sei mehr als 100 Millisievert ausgesetzt gewesen, einer Dosis, die hohe gesundheitliche Risiken berge, hieß es. Die gemessene Dosis schließe weder die natürliche Hintergrundstrahlung noch die innere radioaktive Belastung ein.

Für die Erhebung wurde die Strahlendosis für die Bürger auf Basis von Strahlung in der Luft kalkuliert, die vom Wissenschaftsministerium mit Hilfe eines Systems zur Erstellung von Strahlenprognosen in Notfällen gemessen wurde.

Das sogenannte SPEEDI-System wird vom Nuclear Technology Center in Tokio betrieben. Die Regierung in Fukushima führt Gesundheitsuntersuchungen unter allen rund zwei Millionen Bürgern in der Provinz durch.

Topics
Schlagworte
Japan (438)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schützt Blutdrucksenkung auch vor Demenz?

Bei medikamentöser antihypertensiver Therapie war in einer US-Studie das Demenzrisiko deutlich reduziert. Das könnte eine Hoffnung für Demenz-Patienten sein. mehr »

Hausärzte zur Kooperation mit Pflegeheimen verpflichtet

Union und SPD bringen ihr zweites Gesetzespaket in der Gesundheitspolitik auf den Weg. Es geht um ein Milliarden Euro schweres Pflege-Programm. mehr »

"Keine Angst, man schläft nicht in der Praxis!"

Zwei Mediziner mit eigener Praxis berichten Jungärzten offen von Licht und Schatten der Niederlassung. mehr »