Ärzte Zeitung, 07.02.2014

Winter-Olympiade

Ärztliche Kompetenz für deutsche Olympioniken

Sie sind rund um die Uhr für die Sportlerinnen und Sportler da: Die deutschen Teamärzte stellen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi eine erstklassige medizinische Versorgung sicher.

Von Pete Smith

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Schon 2006 bei Olympia in Turin im Einsatz: Sotschi-Teamarzt Bernd Wolfarth (links) nahm dem Biathleten Michael Greis Blut für den Laktattest ab.

© hutt/dpa

SOTSCHI. Die medizinische Versorgung in Sotschi sei einem Großereignis wie den Olympischen Winterspielen nicht angemessen, warnten die USA ihre Bürger vier Wochen vor Beginn der Spiele, zumindest seien westliche Standards nicht garantiert.

Postwendend erklärte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew, dass die Schwarzmeerstadt aufgrund ihrer modernen medizinischen Infrastruktur nach Ende der Spiele sogar zu einem Kurort von Weltniveau aufsteigen werde.

Vertreter des Organisationskomitees versicherten zudem, dass in den kommenden Wochen die besten Ärzte Russlands in Sotschi weilten.

Privatdozent Dr. Bernd Wolfarth, Leitender Arzt der deutschen Olympiadelegation, zeigt sich mit der medizinischen Infrastruktur vor Ort zufrieden. Er hat seine Kollegen im Vorfeld der Spiele über alle medizinischen Belange sowie die Doping- und Sicherheitsaspekte informiert.

In Sotschi ist der 1965 geborene Mediziner, der als Oberarzt an der Abteilung Präventive und Rehabilitative Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar/TU München arbeitet, vor allem für die Anzeige meldepflichtiger Medikamente sowie für den Aufbau und die Leitung der medizinischen Ambulanz verantwortlich. Darüber hinaus wird er im Notfall auch seine Kompetenzen als Internist einbringen.

Die meisten Wintersportverbände haben ihren eigenen Arzt

Eine der schmerzlichsten Entscheidungen musste Wolfarth vier Wochen vor Beginn der Spiele treffen, als er der Biathletin Miriam Gössner von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi abriet.

Gössner hatte sich bei einem schweren Radunfall vor einem Jahr vier Lendenwirbel gebrochen und seither ständig Rückenschmerzen.

"Der Rehaprozess ist sehr gut verlaufen", sagte Wolfarth, der die Biathleten seit 20 Jahren betreut, "es ist allerdings ein Unterschied, ob man im Training oder Wettkampf antritt, da ist die Belastung anders, und daher ist das eine Entscheidung, die man treffen musste".

Die meisten Wintersportverbände haben ihren eigenen Arzt vor Ort. Einige, unter ihnen der Berchtesgadener Orthopäde, Unfallchirurg und Sportmediziner Dr. Lutz Kistenmacher, der als Verbandsarzt die Rennrodler nach Sotschi begleitet, haben sich schon im Vorfeld der Spiele über die Bedingungen vor Ort informiert.

Die Olympiabahn sei in einwandfreiem Zustand, sagte Kistenmacher, beklagte aber die extremen Sicherheitskontrollen sowie Verständigungsprobleme mit den Einheimischen, die kaum Englisch sprächen.

Behandlungen nach dem Abendessen

Der Erfurter Orthopäde und Sportmediziner Dr. Gerald Lutz, der für das deutsche Eisschnelllaufteam im Einsatz ist, gab an, dass er und seine Kollegen für die Athleten in Sotschi rund um die Uhr erreichbar seien. Vormittags begleite er das Training und nachmittags die Wettkämpfe.

Für die notwendig werdenden Behandlungen bleibe nach dem Abendessen zwischen 20 und 23 Uhr Zeit. Eine Liste mit 140 zugelassenen Arzneien garantiere dabei, dass die geltenden Dopingbestimmungen eingehalten würden.

So gewissenhaft die deutschen Verbandsärzte während der Olympischen Spiele ihre Vorschriften einhalten wollen, so sehr sind sie doch auch darauf bedacht, angesichts der strengen Kontrollen im Olympiadorf und der Bedrohung wegen möglicher Terroranschläge ihren Teil zur guten Stimmung im Team beizutragen.

Kopfschüttelnd schaut mancher dabei auf den Schweizer Olympiaarzt Dr. Walter O. Frey, der seinen Schützlingen während der Spiele sogar ein Kussverbot auferlegte: "Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts, und das kann's dann schon gewesen sein mit Gold."

Lesen Sie dazu auch:
Sportpsychologen helfen Sportlern: Mit Psycho-Tricks zur Olympia-Medaille

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