Ärzte Zeitung online, 26.04.2011

Erinnerungen: "Gefühl der existenziellen Bedrohung"

Erinnerungen: "Gefühl der existenziellen Bedrohung"

Dr. Rainer Kandler, Internist aus Sankt Augustin, war schon vor Tschernobyl in der Anti-Atom-Bewegung aktiv. Der GAU hat ihn wütend gemacht und empört, er spricht von einem "Gefühl der existenziellen Bedrohung". Für ihn heißt es deswegen: "Atomkraft, nein Danke!"

Meine Frau und ich waren schon vor "Tschernobyl" in der Anti-AKW-Bewegung engagiert. So waren wir nach dem 26. April 1986 zunächst wütend und empört, dass das, wovor wir immer wieder gewarnt hatten, nun tatsächlich eingetreten war: der Super-GAU!

Schon sehr schnell kam aber existenzielle Angst vor Verstrahlung hinzu. Wir ließen unsere Kinder nicht mehr draußen spielen, kauften nur aus Südeuropa importiertes Obst und Gemüse.

Da ich in der Mainacht in einen Regenschauer gekommen war, warf ich aus Angst vor radioaktivem Fallout meine teure Lederjacke weg, die ich zu der Zeit getragen hatte. Es war schon teilweise etwas irrational, aber das lag vor allem an den unzureichenden Informationen.

Nach einigen Monaten, als wir endlich verlässliche Daten über die Strahlenbelastung in Westeuropa erhalten konnten, beruhigte sich die Situation.

Dieses Gefühl der existenziellen Bedrohung hat, neben vielen weiteren Gründen, dazu geführt, dass wir bis heute aktiv gegen die sogenannte "friedliche Nutzung der Atomenergie" kämpfen.

"Atomkraft, nein danke!"

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Tschernobyl (49)

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