Ärzte Zeitung online, 26.04.2011

Milliarden für einen neuen Sarkophag

KIEW (dpa/nös). Der bei dem Super-GAU vor 25 Jahren zerstörte Reaktor 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl soll seit langem durch einen 29.000 Tonnen schweren neuen Sarkophag abgedichtet werden.

Der "Chernobyl Shelter" in einer Animation.

© Novarka / ebrdtv / YouTube

Das Confinement, wie es die Techniker nennen, muss über die bisherige Schutzhülle aus Stahl und Beton, den alten Sarkophag aus dem Jahr 1986, gezogen werden. Denn das undichte Provisorium lässt Strahlung frei und droht einzustürzen.

Angesichts des Aufwands und der Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro spricht die Umweltorganisation Greenpeace von der "größten mobilen Konstruktion, die je gebaut wurde". So nennt sie auch der Bauherr, das französische Konsortium Novarka.

Die Maße des neuen Sarkophags: 110 Meter hoch, 164 Meter breit und 257 Meter lang. Wegen der starken Strahlung müssen die Experten den Sarkophag in rund 200 Metern Entfernung montieren. Erst im Anschluss kann er über den Reaktorblock 4 geschoben werden. Dazu werden Schienen installiert.

Doch das seit 1992 geplante Bauwerk, das mindestens 100 Jahre halten soll, ist nach zahlreichen Verzögerungen bis heute nicht in Sicht. Ursprünglich sollte die Konstruktion schon zwischen 2005 und 2006 fertiggestellt worden sein.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) geht zwar weiter davon aus, dass der Sarkophag bis zum Sommer 2015 steht. Allerdings gelten neben dem Geld noch Desorganisation, Personalmangel und die Korruption bisher als Dauerhindernisse einer Fertigstellung.

Mit dem Sarkophag ist es allerdings aus Sicht von Atomkraftgegnern nicht getan, weil weiter auch die Endlagerung des nuklearen Materials aus den insgesamt vier Tschernobyl-Reaktoren ungeklärt ist. Deshalb plädieren Experten seit langem für ein ganzheitliches Konzept zur Lösung der Sicherheitsfragen.

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