Ärzte Zeitung online, 30.03.2009

Studienergebnisse zeigen: Fernreisen sind out, Naherholung ist in

KÖLN (eb). Die Lust am Verreisen ist den Deutschen trotz steigender Energie- und Transportkosten bisher nicht vergangen. Jedoch werden sie künftig seltener Fernreisen machen, sondern eher Kurztrips in Naherholungsgebiete. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie der COMPASS-Unternehmensberatung.

Die Verkehrsträger Pkw, Fernbahn, Regionalbahn und die Stadtverkehre sind im letzten Jahr in der Wahrnehmung der meisten Bundesbürger teurer, für viele auch sehr viel teurer geworden. Die einzige Ausnahme bildet der Flugverkehr: Hier nehmen etwa gleich viele die Preise als teurer, gleich bleibend und sogar günstiger wahr.

Für die meisten Befragten ist jedoch der Fahrtkostenaspekt nicht entscheidend, ob überhaupt ein Ausflug oder eine Reise unternommen wird und sie ziehen aus der Verteuerung der Transportpreise bisher wenige Konsequenzen für ihr Freizeit- und Urlaubsverhalten ziehen: Obwohl beim Auto die deutlichste Verteuerung wahrgenommen wird, ist es immer noch die unangefochtene Nummer Eins als Transportmittel für Ausflüge und Urlaubsreisen.

Von denen, die bereits jetzt Konsequenzen ziehen, sagen knapp 30% allerdings, dass sie in Freizeit und Urlaub weniger mit dem Auto fahren wollen. 18% weichen im Freizeitbereich vom Auto auf andere Verkehrsmittel aus.

Urlaubsreisen mit dem Flugzeug sind fast genauso beliebt wie Reisen mit dem Auto. Beim Fliegen geht es allein um den Preis. Ist Fliegen teuer oder wird als teuer empfunden, wird weniger oder gar nicht mehr geflogen. Gibt es günstige Angebote, wird sogar mehr geflogen als bisher - unabhängig von der Diskussion um Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Die Option, auf andere Verkehrsträger auszuweichen, nehmen nur wenige Leute wahr: Über die Hälfte der befragten Fernbahnkunden im Freizeitbereich ist vor allem wegen der gestiegenen Preise unzufrieden. Ein Viertel derjenigen, die ihre Konsequenzen daraus ziehen, fährt im Freizeitbereich daher weniger mit der Bahn und/oder steigt auf das Auto oder das Flugzeug um - also eigentlich eine Umkehr des Trends, den man sich im nachhaltigen Tourismus wünschen würde.

Der eine "große Urlaub" im Jahr ist den Deutschen weiterhin wichtig und es besteht wenig Neigung zu sparen. Mehrere Urlaube im Jahr aber werden seltener möglich sein, genauso wie Urlaube ins Ausland oder weit entfernte Binnendestinationen - mit zwei gegensätzlichen Konsequenzen: Machen die einen stattdessen mehr Ausflüge und Kurzreisen, so gibt es auch einen signifikanten Anteil von Leuten, die auf Ausflüge ganz verzichten. Steigen die Transportkosten an, könnte es also einen deutlichen Rückgang im Naherholungs- und Wochenend-Reiseverkehr geben - der aber unter Umständen von denen kompensiert wird, die statt mehreren längeren Reisen zukünftig mehr Kurzurlaube planen. Immerhin unternehmen fast zwei Drittel der Befragten zehn bis 15 Tages- und Mehrtagesausflüge pro Jahr, also im Schnitt einen Ausflug pro Monat. Ein Viertel unternimmt sogar bis zu 25 Tages- und Mehrtagesausflüge im Jahr.

"Der gesamte öffentliche Nah- und Fernverkehr kann zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören, wenn der Verkehr auf energiesparende, umweltfreundlichere und preiswertere Verkehrsträger verlagert wird", meint Martina Leicher, Geschäftsführerin der COMPASS GmbH. Noch aber mangelt es an intelligenten, kundenfreundlichen Angeboten und Pauschalen, die eine wirkliche Alternative zum Auto oder zum Billigflieger darstellen könnten. Und es sei auch noch nicht abzusehen, in welchem Maße und in welchem Zeitraum Verlagerungseffekte eintreten. "Weder die Politik noch die Verkehrsunternehmen sind ausreichend vorbereitet, die Infrastruktur in größerem Umfang als bisher auszubauen und die eventuell erforderlichen Kapazitäten zu schaffen", so Leicher.

Aber nicht nur die öffentlichen Verkehre haben noch Probleme mit den Freizeitreisenden in Deutschland. Während Städte, Hotels, Museen und Freizeitparks die steigende Nachfrage spüren und beantworten, verschlafen die Reiseveranstalter und -büros offensichtlich gerade diesen Trend - beide haben sich für den deutschen Privatreisemarkt bislang kaum interessiert. Die aufgewiesenen Trends sollten hier jedoch beiden Mut machen, mit Kreativität und Innovationen neue Kundengruppen für sich zu erschließen:

"Veranstalter, die Naherholungsgebiete und Attraktionen im Programm haben, die leicht erreichbar sind und/oder attraktive Pakete (Zug und Übernachtung/ Ermäßigungen/Pauschalen) anbieten, können von dieser Entwicklung profitieren", meint Leicher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schadet Marihuana dem Herz?

Haschischraucher sterben häufiger an Hypertonie-bedingten Todesursachen als Tabakraucher: Darauf deuten Resultate einer Studie - die allerdings auf wackligen Daten steht. mehr »

Schuss vor den Bug auch der alternativmedizinischen Ärzte

Die Heilpraktiker wehren sich. Sie fühlen sich bei der vom "Münsteraner Kreis" angestoßenen Debatte um die Reform oder gar Abschaffung ihres Geschäftsfeldes außen vor. mehr »

So hitzig diskutieren unsere Online-User

Unseriöser Beruf oder medizinische Alternative: Experten fordern die Abschaffung des Heilpraktikerberufs - und treten damit eine eifrige Debatte los. mehr »