Ärzte Zeitung online, 28.08.2009

Streit um ADAC-Bakterien-Alarm für Ostseestrand

KÜHLUNGSBORN (dpa). Nach der Veröffentlichung alarmierender Messergebnisse zur Bakterien-Konzentration am Ostsee-Strand von Kühlungsborn streiten Behörden und ADAC über die Bedeutung der Befunde. "Aus unserer Sicht sind die Zahlen völlig überbewertet", sagte eine Sprecherin des Kreises Bad Doberan am Freitag.

Aus dem Gesundheitsamt hieß es, man gehe den Hinweisen auf biologische Verschmutzung sorgfältig nach. Warum der Automobil-Club jedoch ausgerechnet einen einzigen Messpunkt an einem Bachlauf abseits der regulären Kontrollstellen ausgewählt habe, sei nicht nachvollziehbar. ADAC-Mann Hans Kahl rechtfertigte die Aktion: "Wir haben bewusst Problemstellen gesucht."

Man habe sich zu eigenen Analysen entschlossen, nachdem die Behörden mehrere Wochen lang nicht auf die Aufforderung reagiert hätten, auch andere als die bisherigen Messstellen zu untersuchen. "Es ist nichts passiert", kritisierte Kahl. Er unterstrich, dass es sich bei der belasteten Bachmündung um "einen wunden Punkt" handele - wohingegen an den offiziellen Messstellen laut Badewasserkarte zuletzt eine gute Wasserqualität geherrscht habe. "Unsere Aussage ist ja nicht: Ganz Kühlungsborn ist von Bakterien überschwemmt."

Der ADAC hatte am Donnerstag von dramatischen "Überschreitungen" der zulässigen Grenzwerte für Kolibakterien und sogenannte Enterokokken am Kühlungsborner Ostseestrand berichtet. Auch eine Spiel- und Badezone für Kinder ist den Angaben zufolge betroffen. Im niedersächsischen Krummhörn sei die Verunreinigung der Nordsee ebenfalls so stark, dass Badeverbote verhängt werden müssten.

Das Rostocker Landesamt für Gesundheit und Soziales sagte zu, die Messungen umgehend nachzuprüfen. "Falls sich die Werte bestätigen, wird nach der Ursache geforscht", sagte Amtsleiter Heiko Will. Will monierte, dass der ADAC die Wasserproben aus seiner Sicht nicht an einer der fünf anerkannten Badestellen in Kühlungsborn, sondern am sogenannten Freistrand gezogen hatte. Ein Grund für den erhöhten Bakteriengehalt im Wasser könnten daher schlicht "Ausscheidungen von Tieren" sein.

www.regierung-mv.de

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