Ärzte Zeitung, 17.05.2011

Thailand: Land der Blütenträume und Düfte

Wer im Wat Chiang Mai Tempel war, den erkennen die Einheimischen sofort: Am typischen Geruch, der im Tempel herscht. Wer ein Reiseziel sucht, das Augen und Nase betört, der ist in Thailand richtig.

Von Andrea Lammert

Thailand: Land der Blütenträume und Düfte

Einer der ältesten Tempel der Region: Im Inneren des Wat Chiang Mai steht eine Buddhastatue aus Bergkristall mit goldenen Haaren.

© imagebroker / imago

Wie das duftet! So süß und rein - so riecht nur Jasmin. Die strahlend weißen Blüten sind fein säuberlich zu einer Blumengirlande gebunden, zwischendrin leuchtet gelbe Tagetes.

Bei jedem Buckel und jeder Kurve wackelt der Kranz und verbreitet eine weitere Duftwolke. Thailand ist das Land der Blüten und der Gerüche.

An den Düften könne man die Orte erkennen

"An den Düften können Sie schon viele Orte erkennen", sagt Guide Yod schmunzelnd, während er seinen sandfarbenen Geländewagen über die Rajpakini Road in Chiang Mai kutschiert, dem kulturellen Zentrum von Nordthailand.

"Wat Chiang Man erkenne ich mit verbundenen Augen - am Geruch", ist sich Yod sicher und lenkt mit seinen drahtigen Fingern eine Kurve hin zum berühmtesten Kloster der Stadt.

Tatsächlich sind es nicht die goldenen Dächer, die vor Ornamentenschnitzereien nur so strotzenden Fassaden, die von steinernen Elefanten getragene Pagode oder die großen Schlangenstatuen an der Treppe zum Tempel, die später im Gedächtnis bleiben - es ist dieses intensive Aroma von Räucherstäbchen.

"Bei uns erkennt man am Geruch, ob jemand wirklich im Tempel gewesen ist oder nicht", erklärt Yod lächelnd. Dieser duftende Rauch durchdringt alles, setzt sich sofort in die Nase, verbleibt in den Haaren und der Kleidung. Ein süßer, zarter Tempelgeruch.

Sanft und unbeirrbar führen Menschen ihre Rituale aus

Überall brennen die Räucherstäbchen und Kerzen. Das sanfte Aroma, das die vielen Blüten verströmen, geht dabei fast unter in dieser betörenden Mischung: Duft, der den Geist erheben soll. Immer wieder zünden die Buddhisten hier ein Räucherstäbchen an, als Opfergabe für den Buddha.

Manche bitten um Segen für eine Reise, andere danken vor den goldenen Buddhastatuen für eine überstandene Krankheit. Sanft und unbeirrbar führen die Menschen ihre Rituale aus, verbeugen sich mit gefalteten Händen vor den Statuen und gehen ganz in ihrer Andacht auf.

Immerhin gehört Wat Chiang Mai zu den ältesten Tempeln der Region im Norden Thailands. König Mengrai ließ ihn 1296 bauen - noch bevor die Stadt gegründet wurde. Zu den besonderen Schätzen des Tempels gehört eine Buddhastatue aus Bergkristall, mit goldenen Haaren.

"Sie wird aber beim Abt aufbewahrt und wird nur einmal im Jahr den Gläubigen gezeigt", weiß Yod. Er führt seine Gäste heute in den Tempel und später auf den nächtlichen Sonntagsmarkt rund um Thaepae Gate. Dort geht es durch ein Gewirr von Kunsthandwerkständen, die lackierte Schalen, Teakschnitzereien oder Silberschmuck anbieten.

Daneben locken Massagesessel zu einer kleinen Auszeit, etwa bei einer Fußmassage, und Frauen in Tracht mit Silberhütchen auf dem Kopf bieten ihre Flechtarbeiten feil.

Geysire schießen 30 Kilometer in die Höhe

Solche Besuche gehören natürlich zu jeder Reise nach Chiang Mai. Doch am liebsten fährt der 38-Jährige Fremdenführer Yod seine Gäste in das Umland. Er blüht auf, wenn das Gespräch auf die Geysire kommt, die in 30 Kilometern Entfernung in die Höhe schießen.

In San Kampaeng erfüllt ein schwerer Schwefelgeruch die Luft. In einem Park, umgeben von roten und gelben Blumenrabatten, brodelt und zischt es wie in einem Dampfkessel. Aus dem kleinen Steinhaufen macht sich erst ein leises Fauchen bemerkbar - ein kleines Warnsignal, bevor mit einem lauten Grummeln die zwei Meter hohe Wasserfontäne aus dem Boden schießt.

"Unsere Geysire", bemerkt Yod stolz und schwenkt ein kleines geflochtenes Körbchen in der Hand, darin vier Eier. "Wer möchte?", fragt Yod seine Gäste und fordert sie auf, das Körbchen in den Geysir zu hängen. Eine Touristin aus Mainz hängt es an einen Haken und wartet.

Ein wenig skeptisch pellt sie später die Eier, doch nach dem ersten Bissen bietet sie sie begeistert ihren Mitreisenden an: "Ganz zart und würzig - das müsst Ihr unbedingt probieren", sagt sie begeistert.

Und nicht nur Eier kochen können die Besucher der heißen Quellen, manche halten Füße oder Hände in die steinernen Tröge oder Bassins. Wer die Heilwirkung des stark mineralhaltigen Wassers intensiver ausprobieren möchte, legt sich in die eigenen Pools oder mietet eine Hütte mit kleiner Holzwanne, um sich dort seine eigene Wassertemperatur zu mischen.

Nationalpark mit asiatischer Bilderbuchlandschaft

Doch es sind nicht allein die Quellen, die die Natur rund um Chiang Mai so bekannt gemacht haben, vor allem sind es die guten Trekking-Möglichkeiten hier. Am bekanntesten ist der Doi Phu-Nationalpark, der asiatische Bilderbuchlandschaften zeigt: In dicken Tropfen hat sich der Nebel an dem dichten Blätterdach verfangen.

Bäume, die eher aussehen wie riesige Farne, erheben sich daraus. Ab und zu unterbricht das schrille Pfeifen eines Vogels die Stille - oder das kichernde Geräusch der Affen in den Bäumen.

Wer früh morgens die Wanderung zum Doi Pui-Gipfel startet, den empfängt eine einzigartige Kulisse. Drei Stunden dauert die Wanderung, sie beginnt mit einem Dampfbad im Nebelwald. Später lichtet sich der Dschungel, der Weg passiert rauschende Wasserfälle und gibt erste Panoramablicke frei, auf eine Landschaft aus grünen Bergen mit einem Fuß aus Watte.

Und dann dieser Geruch: Würzig und schwer duftet der Dschungel, nach Moos und etwas Moder - aber vor allem nach reinigendem Regen.

Schirmchen aus der Rinde des Tonsa-Baumes

Thailand: Land der Blütenträume und Düfte

Schirmchen in allen Formen und Farben gibt es in den Papierschirmmanufakturen in Boh Sang.

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Auf dem Rückweg ist ein Abstecher nach Boh Sang, dem Kunsthandwerkzentrum der Region, zu empfehlen. Dort kann man die Papierschirmmanufakturen besuchen, in der Männer und Frauen zeigen, wie sie aus Bambus und Papier die bunten Schirme bauen.

Ein grauhaariger Alter sitzt auf einem Kissen und knüpft einen Baumwollfaden um das Schirmgestell.

Die Bambushölzer hat er schon zum Gestell zusammengeflochten und an einem Stock befestigt. Jetzt muss er nur noch den Aufschiebemechanismus anbauen.

"Das Papier stammt aus der Rinde des Tonsa-Baumes", erklärt er, bevor er den Blick wieder auf sein Werk richtet. Konzentriert spannt er die blütenweißen Blätter auf die Bambusrippen.

Er muss diese Handgriffe hundertmal am Tag machen, denn nur ein Routinier kann so mit dem Papier umgehen, dass es weder reißt noch knittert oder gar Falten wirft. Und am liebsten malen sie Blumen auf die Schirme. Orchideen oder Jasmin duften dann zwar nicht, aber sind eben allgegenwärtig im Norden Thailands.

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