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Ärzte Zeitung, 30.09.2005

Cholera-Vakzine beugt auch Reisedurchfall vor

Impfstoff bietet 50prozentigen Schutz gegen Diarrhoen mit Enterotoxischen E. coli / Hausärztetag in Potsdam

POTSDAM (sko). Reisenden in südliche Länder sollte nach Meinung von Dr. Christian Schönfeld aus Berlin eine Cholera-Impfung angeboten werden. Denn der Impfstoff bietet auch einen Schutz vor Enterotoxischen E. coli (ETEC), die oft Reisediarrhoe auslösen.

Dr. Christian Schönfeld: Manche Reisediarrhoe ist milde Cholera. Foto: sbra

Die Erfassung von Cholera-Erkrankungen hinkt dem aktuellen Geschehen immer etwas hinterher. Daher ist es schwierig, Aussagen zur Ausbreitung der Krankheit zu machen.

Beim Hausärztetag in Berlin berichtete Schönfeld, wie er dementsprechend berät: "Wenn mich Reisende fragen: Gibt es Cholera dort, wo ich hinfahre, dann sage ich grundsätzlich: Gehen Sie davon aus, daß Cholera vorkommt." Natürlich müsse man diese Aussage relativieren, da schwere Cholera-Erkrankungen mit dramatischem Reiswasserdurchfall bei normalen Urlaubern praktisch nicht vorkommen.

Allerdings könnten Reisende durchaus von einer leichten Cholera-Infektion betroffen sein, die dann vom normalen Reisedurchfall nicht zu unterscheiden sei, sagte der Arzt vom Tropeninstitut in Berlin bei der vom Unternehmen Chiron Vaccines Behring unterstützten Veranstaltung.

Da die klassische, schlecht verträgliche Choleraimpfung inzwischen veraltet sei und man jahrelang nicht gegen Cholera geimpft habe, müsse man sich auf den neuen Impfstoff (Dukoral®) - eine gut verträgliche und wirksame Schluckimpfung - nun erst einmal einstellen.

Indiziert ist die Impfung für Risikopatienten zum Beispiel mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung, Immunsuppression oder H2-Blocker-Therapie und bei Langzeitaufenthalten oder Abenteuer-Urlauben in Gebieten mit Epidemien in den vergangenen 12 Monaten.

Da das ETEC-Toxin dem Cholera-Toxin sehr ähnlich ist, bietet die Choleraimpfung auch einen etwa 50prozentigen Schutz gegen Reisedurchfall mit ETEC, wie Schönfeld berichtete. Deshalb plädierte er für eine Erweiterung der Indikation auf alle Urlauber, bei denen ein Reisedurchfall sehr wahrscheinlich ist.

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