Ärzte Zeitung online, 26.01.2010

Lehrerinnen übertragen Mathe-Ängste auf Mädchen

WASHINGTON (dpa). Grundschullehrerinnen, die selbst schwach in Mathematik sind, impfen ihren Schülerinnen die Angst vor dem Fach ein. Das haben Wissenschaftler der Universität von Chicago bei einer Studie von 17 Lehrerinnen der ersten und zweiten Klassen nachgewiesen.

Demnach reichte ein einziges Schuljahr unter dem Einfluss dieser Pädagoginnen, um Mädchen in der Klasse den Irrglauben zu vermitteln, dass sie von Natur aus schlechter im Rechnen und besser im Lesen sind (PNAS online).

Der Studio zufolge erbrachten Schülerinnen, die das stereotype Denken übernommen hatten, tatsächlich deutlich schwächere Leistungen in Mathe. Jungen blieben von ihm unbeeinflusst. Um zu testen, inwieweit sich die Ängste einer Lehrerin auf ihre Schülerinnen übertragen könnten, prüften die Forscher die Einstellung und Rechenkünste am Anfang und am Ende des Schuljahres. Dabei kam heraus, dass Mädchen, die sich dem Vorurteil angeschlossen hatten, in Mathe auf einer Bewertungsskala sechs Punkte hinter ihren unbeeinflussten Klassenkameraden und -kameradinnen zurückblieben: 102 zu 108 Punkten.

Das amerikanische Schulsystem unterscheidet sich vom deutschen unter anderem darin, dass Lehrer ihre Klassen jeweils nur ein Jahr behalten. Amerikanische Grundschullehrer sind etwa zu 90 Prozent weiblich und werden während des Studiums nur minimal auf Mathematik vorbereitet, erläutert das Team um Sian Beilock. Aus anderen Studien ist bekannt, dass angehende Grundschullehrerinnen mehr Angst vor Mathe haben als Studenten aller anderen Fachrichtungen. Der Fakt, dass das stereotype Denken nicht auf Jungen abfärbte, erklären die Psychologen damit, dass Kinder in diesem Alter vor allem auf gleichgeschlechtliche Rollenmodelle fixiert sind.

Zur Originalstudie "Female teachers' math anxiety affects girls' math achievement"

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