Ärzte Zeitung, 11.06.2011

Kein Durchblick - Studenten suchen Hilfe

Sie kommen mit der Organisation ihres Studiums nicht klar, stehen finanziell unter Druck, haben psychische Probleme: Studenten in Not finden Hilfe bei den Beratungsstellen des Deutschen Studentenwerks.

Von Heidi Niemann

Kein Durchblick - Studenten suchen Hilfe

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Immer mehr Studenten in Deutschland nehmen professionelle Beratungsangebote in Anspruch, um ihr Studium zu meistern. Das geht aus der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) hervor. Danach hat im Jahr 2009 mehr als die Hälfte der Studierenden (insgesamt 55 Prozent) sich Rat und Hilfe bei den Beratungsstellen des Deutschen Studentenwerks gesucht.

Im Mittelpunkt der Beratungsgespräche standen Fragen zur Finanzierung und zur Organisation des Studiums. Die studienbegleitende Beratung sei wichtig für den Studienerfolg, sagt der DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heide.

Der steigende Beratungsbedarf hängt auch mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge zusammen. Allein beim Studentenwerk Göttingen sei die Zahl der Beratungsstunden seit 2008 um 23 Prozent gestiegen, erläuterte dessen Geschäftsführer Professor Jörg Magull. Bei den Mehrfachberatungen gebe es einen Anstieg um fast 50 Prozent.

Vor allem Studierende aus bildungsfernen und einkommensschwachen Schichten ständen häufig unter einem besonders starken Druck. Sie müssen ihr Studium so organisieren, dass sie nebenher arbeiten können und gleichzeitig ihre Klausuren bestehen, um nicht exmatrikuliert zu werden.

Kein Durchblick - Studenten suchen Hilfe

Anlaufstelle auch in Göttingen: das Studentenwerk.

© Mark Wunsch / imago

Insgesamt suchten über 70.000 Studenten eine der bundesweit 43 Sozialberatungsstellen der Studentenwerke auf. Häufigste Themen waren Jobben neben dem Studium, Studienfinanzierung, Krankenversicherung und Wohngeld. Knapp 30 000 Studierende suchten Rat bei den psychologischen Beratungsstellen. Hier ging es vor allem um Lern- und Arbeitsstörungen, Leistungsprobleme, Arbeitsorganisation, Zeitmanagement, Prüfungsangst und depressive Stimmungen.

DSW-Generalsekretär Meyer auf der Heyde fordert die Bundesländer auf, nicht nur in Studienplätze, sondern auch in die soziale Infrastruktur für die Studierenden zu investieren. Die Länder hätten ihre Zuschüsse für die Studentenwerke in den vergangenen Jahren massiv zurückgefahren. Dabei seien auch Wohnen, Essen und Campusleben wichtige Faktoren für den Studienerfolg.

Die doppelten Abiturjahrgänge und die Abschaffung der Wehrpflicht führten dazu, dass es in den nächsten Jahren bundesweit einen Bedarf an 2500 zusätzlichen Wohnheimplätzen geben werde.

In Göttingen etwa leben rund 19 Prozent der Studenten in einem Wohnheim. Diese Quote liegt zwar deutlich über dem Bundesdurchschnitt von etwa zwölf Prozent, doch auch hier ist die Nachfrage größer als das Angebot. Derzeit befänden sich 1000 Studierende auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz, sagte Geschäftsführer Magull. Diese Situation werde sich zum Wintersemester weiter verschärfen.

Das Göttinger Studentenwerk hilft auch in finanziellen Notfällen. So wurden seit Bestehen des Sozialdienstes im Jahr 1975 eine halbe Million Euro an bedürftige Studierende vergeben. 150.000 Euro wurden als Beihilfe, 350.000 Euro als zinslose Darlehen ausgezahlt. Fast alle Darlehen seien später zurückgezahlt worden, sagte Magull.

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