Ärzte Zeitung, 22.11.2012

Schlechte Noten

Schülerschreck Migräne

Etwa jeder vierte Schüler hat nach Daten einer brasilianischen Untersuchung migräneartige Kopfschmerzen. Darunter leiden nicht nur die Kinder.

Von Thomas Müller

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In den Industrieländern haben knapp zehn Prozent der Kinder eine episodische Migräne. Das Lernen fällt vielen dann schwer.

© kmiragaya/Fotolia.com

RIBEIRãO PRETO. Dass sich Kinder mit starken Kopfschmerzen nicht gut auf den Unterricht konzentrieren können und oft fehlen, liegt nahe.

Wie häufig Kopfschmerzen bei Schulkindern sind und welche Konsequenzen das für ihre Leistung hat, haben zwei Forscher aus Brasilien und den USA untersucht (Neurology 2012; 79: 1881-1888).

Dr. Marco Arruda aus Ribeirão Preto und Dr. Marcelo Bigal aus New York haben mit Zustimmung der Eltern bei 124 Lehrern die Schulleistungen von 5700 Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren eruiert.

Zugleich interviewten sie die Mütter mit standardisierten Fragebögen. Schwerpunkte waren die allgemeine und psychische Gesundheit der Kinder sowie soziodemografische Faktoren. Kopfschmerzen wurden mit einem Modul für Kinder erfasst, das sich gut zur Migränediagnostik eignet.

Die Ergebnisse: Eine episodische Migräne hatten 9 Prozent der Kinder, überwiegend älter als neun Jahre, eine chronische Migräne nur 0,6 Prozent. Jedoch hatten knapp 17,6 Prozent der Kinder Schmerzen, die als "wahrscheinliche Migräne" eingestuft wurden.

Dosis-Wirkung-Beziehung?

Insgesamt hatten nach Angaben ihrer Mütter also 27 Prozent der Schüler immer wieder migräneartige Kopfschmerzen. Die Prävalenzen für Migräne decken sich dabei ungefähr mit denen aus Industrienationen.

So wurde in den USA bei einer aktuellen Untersuchung bei 7,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine episodische Migräne festgestellt, eine chronische Migräne mit oft täglichen Schmerzen bei 0,8 Prozent.

In den Schulleistungen unterschieden sich Kinder mit gelegentlichen Spannungskopfschmerzen und Kinder ohne Kopfschmerzen nicht - der Anteil der unterdurchschnittlichen Schüler lag hier bei etwa 23 Prozent.

Deutlich höher war dieser Anteil bei wahrscheinlicher Migräne (28,5 Prozent), episodischer Migräne (32,5 Prozent) und chronischer Migräne (37,1 Prozent). Dies korrelierte mit der Zahl der Fehltage wegen Kopfschmerzen - sie war bei migräneartigen Schmerzen deutlich höher als bei Spannungskopfschmerzen.

Arruda und Bigal schließen daraus, dass migräneartige Kopfschmerzformen die Schulleistung beeinträchtigen können - je öfter und stärker die Schmerzen, umso schlechter die Leistung.

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