Ärzte Zeitung, 19.06.2013

Klassenzimmer

Spielwiese für Lobbyisten?

Die GEW warnt vor Unternehmen, die aus Marketinggründen Unterrichts- material für Schulen zur Verfügung stellen.

FRANKFURT/MAIN. Lobbyisten haben nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Schulen als Handlungsfeld für sich entdeckt. In den vergangenen Jahren habe die Einflussnahme von Unternehmen und Verbänden auf den Unterricht zugenommen und werde professionell organisiert, so die Gewerkschaft.

Den Akteuren gehe es nicht um Bildung, sondern um Meinungsmache und Marketing. "Als zukünftige Wähler und Konsumenten sind Kinder und Jugendliche zum Ziel langfristiger und umfassender Lobbystrategien geworden. Die Politik muss dieses Problem endlich erkennen und dagegen aktiv werden", heißt es in einem offenen Schreiben, das die Organisation Lobby Control an die Kultusminister der Länder gerichtet hat.

"Wenn die Zahl frei verfügbarer und privater Unterrichtsmaterialien in die Millionen steigt - bei sinkenden Schulbuchausgaben - brauchen Schulen und Lehrkräfte mehr Orientierung und eine Anlaufstelle, die im Zweifelsfall helfen kann", betont die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer.

Eine "Prüfstelle" lehnen die Kultusminister bisher - meist mit dem Verweis auf den großen Aufwand und die ausreichende Kompetenz der Lehrkräfte - jedoch ab.

"Natürlich haben Lehrkräfte die Kompetenz, professionellen Unterricht zu gestalten. Die Kultusminister vergessen aber, wie viel Unterricht fachfremd etwa im Bereich Wirtschaft gehalten werden muss. Außerdem ist nicht immer klar zu erkennen, welche Financiers sowie wirtschaftlichen und politischen Interessen hinter den Lehrangeboten stecken", erläutert die GEW-Schulexpertin das Problem.

Eine kritische Prüfung der Materialien sei im Alltag oft nicht zu leisten. "Besonders wichtig ist, dass Lehrkräfte in der Ausbildung oder durch Fortbildungen Kompetenzen erwerben, die ihnen eine kritische Analyse der Lehr- und Lernmaterialien ermöglichen. Das geschieht jedoch nicht", stellt Demmer fest.

"Wieso soll es analog zur Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien keine Prüfstelle für bildungsgefährdende Unterrichtsmaterialien geben?", fragt die Gewerkschafterin. (eb)

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