Ärzte Zeitung online, 09.03.2019

Nordrhein

Das größte Glück für Kinder ist Zeit mit der Familie

Was macht Kinder glücklich? Antworten finden sich im „Kinder-Glücksbuch“, die Grundschüler aus dem Rheinland im Rahmen des Wettbewerbs „Glück – Was ist das?“ angegeben haben.

Von Ilse Schlingensiepen

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Rolf Buchwitz (links), AOK Rheinland/Hamburg, und Rudolf Henke, ÄKNo-Präsident präsentieren das Kinder-Glücksbuch.

© Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. In 39 Grundschulen im Rheinland stand für 1600 Kinder im Schuljahr 2017/2018 ein besonderes Thema auf dem Programm: das Glück. Auf ganz unterschiedliche Weise haben sich Lehrer, Schüler und Patenärzte mit der Frage auseinandergesetzt, was Glück bedeutet, und was sie oder andere glücklich macht.

Als Teil ihres Präventionsprogramms „Gesund macht Schule“ haben die Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) und die AOK Rheinland/Hamburg 2017 den Wettbewerb „Glück – Was ist das?“ ausgerufen. Eingegangen sind eine Vielzahl von Zeichnungen, Collagen, Geschichten, Videos oder Bastelarbeiten. Manche Schulen haben Theaterstücke und Tänze rund um das Thema entwickelt, andere einen Glückskalender erstellt, Glückscoaches ausgebildet oder Glücksbringer als „Glück to go“ verteilt. Die zwölf besten Ideen sind mit Preisen belohnt worden.

Viele Beiträge sind in ein „Kinder-Glücksbuch“ eingeflossen, das als Teil von „Gesund macht Schule“ jetzt zusammen mit begleitenden Unterrichtsmaterialien den Schulen zur Verfügung gestellt wird.

Die Auswertung der Wettbewerbs-Beiträge hat eine klare Hierarchie dessen gezeigt, was Glück für Kinder bedeutet, berichtete ÄKNo-Präsident Rudolf Henke. „An erster Stelle ist für Kinder ‚Glück‘, wenn sie Zeit mit ihrer Familie verbringen können“, sagte er. An zweiter Stelle stehen Freunde sowie gemeinsame Aktivitäten mit Klassenkameraden, dann folgen der Besitz eines Haustieres und Naturbeobachtungen. „Erst an vierter Stelle wurden materielle Dinge wie Spielsachen, der Besitz elektronischer Geräte und ähnliches mit Glück in Verbindung gebracht“, so Henke.

„Ich bin glücklich wenn meine Familie und meine Freunde gesund sind, Ich bin glücklich wenn ich was male und ich bin glücklich wenn ich was bastel, Ich bin glücklich wenn ich was ferschenke“, schreibt etwa eine Schülerin oder ein Schüler der Viktor-Schule in Xanten in dem Glücksbuch. „Glück ist da, wo meine Familie ist, Glück ist, da wo meine Freunde sind. Glück ist da wo ich mich wohl fühle“, schreibt Lisa von der Katholischen Grundschule Wiesenstraße in Kempen.

ÄKNo und AOK haben sich entschieden, bei „Gesund macht Schule“ neben der Bewegungs- und Ernährungsförderung auch die Förderung der seelischen Gesundheit in den Fokus zu rücken, erläuterte Henke. „Die Auseinandersetzung mit dem Thema Glück ist Teil der seelischen Prävention.“ Kinder könnten auf diese Weise erfahren, was ihnen gut tut und wie sie mit Belastungen umgehen können.

„Besonders hat uns gefreut, dass der Glückswettbewerb die Schulen angeregt hat, den Schulalltag aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und so mehr Leichtigkeit in die Schule zu tragen“, ergänzte Rolf Buchwitz, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg. Er begrüßte, dass sich mit rund 300 inzwischen mehr als 20 Prozent der Grundschulen im Rheinland an „Gesund macht Schule“ beteiligen. Es könnten aber noch mehr werden. „Wenn es 600 oder 900 werden, würden wir nicht nein sagen.“

Zur Gesundheit gehören auch das Verständnis, dass es im Leben Höhen und Tiefen gibt, und das Gefühl, mit den Tiefen umgehen zu können, findet Dr. Raphaela Schöfmann. Die Allgemeinmedizinerin ist Patenärztin an der Leoschule in Neuss, die einen der Preise beim Wettbewerb gewonnen hat. An der Leoschule sollten die Kinder gezielt darauf achten, was für sie Glücksmomente sind. Dies habe zu einer höheren Achtsamkeit geführt – mit spürbaren Folgen. „Je achtsamer die Kinder wurden, desto schneller wurden Glücksmomente gefühlt und umso angenehmer wurde die Stimmung“, sagte Schöfmann. Ihr Fazit: „Glück ist ein Thema, das es sich näher zu betrachten lohnt.“

Glücks-Hierarchie

  • Familie: Zeit mit der Familie verbringen, steht für Kinder an erster Stelle
  • Freunde: Gemeinsame Aktivitäten mit Freunden und Klassenkameraden landet bei Kindern auf dem zweiten Rang.
  • Haustier und Natur: Ein eigenes Haustier zu haben oder die Natur zu beobachten waren der dritthäufigst genannte Grund, der bei Kindern Glücksgefühle auslöst.
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