Ärzte Zeitung online, 30.03.2019

Schule

Zustimmung und Skepsis beim Thema Inklusion

Wenn es um den gemeinsamen Unterricht geht, äußern sich viele mit Blick auf die Inklusion zurückhaltend.

BONN/HAMBURG. Eine große Mehrheit in Deutschland will einer Studie zufolge, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam aufwachsen. Beim Blick auf die schulische Inklusion fällt die Zustimmung aber weniger deutlich aus und an der Umsetzung gibt es deutliche Kritik.

Das geht aus einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Untersuchung des Sozialforschungsinstituts infas für die Wochenzeitung „Die Zeit“ und die Organisation Aktion Mensch hervor. Vor zehn Jahren hatte Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens unterzeichnet.

Rund 85 Prozent der Bundesbürger meinen, dass Menschen mit oder ohne Handicap gleichberechtigt zusammenleben sollten. Und 94 Prozent der befragten 1500 Erwachsenen sagen das in der repräsentativen Umfrage mit Blick auf Kinder in ihrer Freizeit.

Aber nur zwei Drittel der Gesamtbevölkerung sprechen sich dafür aus, Kinder auch inklusiv zu unterrichten. Eltern, deren Kinder an einer Regelschule an diesem gemeinsamen Unterricht teilnehmen, sind in dieser Frage mit 78 Prozent Zustimmung deutlich positiver eingestellt.

Die Studie zeigt, dass gut drei Viertel der Befragten positive Auswirkungen auf die Sozialkompetenzen der Schüler sehen: Mehr Toleranz, eine stärkere Bereitschaft zum Engagement oder ein besseres Miteinander – die Persönlichkeitsentwicklung profitiere. Allerdings glauben 52 Prozent, dass besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen gebremst werden.

Und 68 Prozent finden, es gebe nicht genug Lehrer für die Inklusion. Rund 63 Prozent halten die Klassen für zu groß und 57 Prozent meinen, die Lehrkräfte seien nicht ausreichend ausgebildet für die besonderen Herausforderungen.

Aus Daten des Nationalen Bildungspanels ergebe sich aber, dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der Übergang in Studium oder Ausbildung nach inklusivem Unterricht „bei fast allen Schulformen“ genauso gut gelinge wie nach nicht-inklusivem Unterricht. (dpa)

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