Ärzte Zeitung online, 06.09.2017

Fußball

Medizincheck als Transferbremse

Noch schnell zum Arzt und dann unterschreiben: Wenn Fußballer den Verein wechseln, werden sie untersucht. Doch manche Transfers scheitern am letzten Check.

Von Nikolai Huland

Medizincheck als Transferbremse

Innenverteidiger Neven Subotic im Trikot von Borussia Dortmund. Er wollte den Traditionsverein vor einem Jahr in Richtung England verlassen. Doch der Transfer zum FC Middlesbrough scheiterte am Medizincheck.

© picture alliance / Guido Kirchne

HANNOVER. Bei Fußball-Transfers wirkt der Medizincheck meist wie eine Formalie. Manchmal, wie beim Wechsel von Kevin-Prince Boateng zu Eintracht Frankfurt, nutzt der Verein die Untersuchung, um bei den Fans mit der Verpflichtung zu werben. Der Bundesligaclub aus Hessen twitterte: "Wer radelt denn da um die Wette?!" und veröffentlichte ein Bild von Boateng. Mit nacktem Oberkörper saß der 30-Jährige auf einem Ergometer, einige Kabel hafteten an seiner tätowierten Brust. Der Check lief gut, kurz danach wurde der Wechsel offiziell. Doch solch ein Test kann zum Zünglein an der Waage werden.

"Die ärztliche Untersuchung soll den Club vor Ausfallrisiken bewahren", sagt der Saarbrücker Sportmediziner Professor Tim Meyer. Er ist Vorsitzender der Medizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Arzt der Nationalelf.

Der Umzug von Weltmeister Erik Durm von Dortmund nach Stuttgart schien in diesem Sommer eigentlich beschlossen zu sein. Doch der Transfer vom BVB zum VfB platzte. Verschiedene Medien berichteten, dass die Ärzte der Schwaben Bedenken und keine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen hätten.

Was genau wird bei dem Check untersucht? Jedes Jahr müssen alle Spieler der Bundesligen ihre Sporttauglichkeit nachweisen. Auch bei einem Transfer muss der Deutschen Fußball Liga (DFL) ein entsprechender Nachweis vorgelegt werden.

Darin muss bestätigt werden, dass die Spieler orthopädisch sowie kardiologisch-internistisch untersucht wurden und tauglich sind. Bei der Untersuchung der inneren Organe gibt es genaue Vorgaben von der DFL, da es zum Beispiel durch einen Herzfehler zu einem lebensgefährlichen Sportunfall kommen kann. Die orthopädische Untersuchung können die Clubs hingegen relativ frei gestalten.

Spieler sind das Kapital der Vereine

Wird ein Spieler transferiert, achten Meyer zufolge die Ärzte aber vor allem auf diesen Bereich, also zum Beispiel die Knie oder Muskulatur: "Bei einem Wechsel wollen die Vereine natürlich insbesondere wissen: Hat ein Spieler eine Verletzung oder Vorerkrankung, wegen der er potenziell öfter nicht spielen kann? Ihre Einsatzfähigkeit ist ja das Kapital der Vereine", sagt er. Die Mediziner können dann Gelenke mit Kernspinuntersuchungen oder Röntgenaufnahmen durchleuchten. Gerade bei älteren Spielern werde vor allem auf Verschleißerscheinungen wie Knorpelschädigungen geachtet. Die meist öffentlich bekannte Krankengeschichte der Profis vereinfache die Untersuchung, sagt Meyer.

Unerwartete Resultate

In zwei Fällen zeigte es sich, dass bei den Checks vor Transfers unerwartete Resultate herauskommen können. Der Österreicher Philipp Hosiner stand im Januar 2015 kurz vor einem Wechsel zum 1. FC Köln. Dort diagnostizierten die Ärzte einen Nieren-Tumor, der eine Operation unumgänglich machte. Hosiner kam nach seiner Genesung nach Köln.

Und vor einem Jahr stand ein BVB-Profi im Fokus: Innenverteidiger Neven Subotic wollte Dortmund in Richtung England verlassen. Doch der Transfer zum FC Middlesbrough scheiterte am Medizincheck. Eine Rippenverletzung wurde entdeckt, eine Operation folgte.

"Ich wollte eine Herausforderung, an der ich aktiv mitwirken kann. Nun hab ich sie, doch leider nicht auf dem Fußballplatz", teilte Subotic damals mit. Die Borussia bleibt trotzdem sein Verein. (dpa)

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