Ärzte Zeitung online, 24.05.2019

Auf dem Prüfstand

Sind Faszienrollen gesundheitsfördernd?

JENA. Faszienrollen oder auch Foam-Rollen werden von vielen Menschen genutzt. Doch welche Belastungen auf Körperstrukturen treten dabei auf und welche Effekte gibt es eigentlich? Das haben sich Sportmediziner der Bergischen Universität Wuppertal gefragt.

In einer Studie, die beim Kongress der Orthopädisch-Traumatologischen Gesellschaft für Sportmedizin (GOTS) vorgestellt wurde, kam das Team um Dr. Christian Baumgart zu dem Ergebnis: Die Evidenzlage ist gering.

In der Studie nutzten Studenten unter fachkundiger Anleitung die Massagerollen je zweimal eine Minute pro Muskelgruppe an den Beinen, berichtet die GOTS. Danach wurde zum einen die vertikale Sprunghöhe gemessen: kein Unterschied. Auch bei der Spannung der Muskulatur gab es nur geringe Veränderungen.

Vorsichtig sind die Wissenschaftler auch bei den Effekten auf das Bindegewebe. Baumgart: „Faszien sind sehr dünn, und die Wirkung einer reinen Kompression ist fraglich. Im Gegenteil: Langfristige Folgen und gesundheitliche Risiken könnten mitunter größer sein, wenn das intensive Rollen zum Beispiel Schäden an den Venenklappen verursacht“, wird der Sportmediziner in der Mitteilung zitiert. Auch ein negativer Effekt der Kompression von Haut, Unterhaut, Muskeln, faszialen Arealen und Knochen sei denkbar, aber bisher noch wenig untersucht.

Das Foam Rolling könne auch keine manuellen Techniken zur Lockerung der Muskulatur ersetzen: „Ein Therapeut oder Masseur behandelt in der richtigen physiologischen Zugrichtung. Er merkt ob und was da im Inneren eventuell entgegen spannt“, betont Baumgart.

Verschiedene Rollentypen führten zu unterschiedlichen biomechanischen Belastungen, so die GOTS. Auf harten Noppen beispielsweise seien die Spitzendrücke um ein Vielfaches höher. Auch das könne Einfluss auf die Veränderung der Schmerzdruckschwelle haben.

Beim Rollen über die Wade oder über den vorderen Oberschenkel haben die Forscher eine Belastung von durchschnittlich 30 Prozent des Körpergewichtes gemessen. Bei Menschen, die sich mit dem Rücken drauf legen und rollen, liege diese Belastung um ein Vielfaches höher. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Lichtshow bei Konzerten bringt Hirn aus dem Takt

Die Lichteffekte bei Musikfestivals werden immer spektakulärer – und sind für Fotosensible nicht ungefährlich: Das Risiko für epileptische Anfälle ist dabei mehr als dreifach erhöht. mehr »

Ablehnung der Kasse – Widerspruch zwecklos?

2018 gab es bei der Unabhängigen Patientenberatung zwar insgesamt weniger Beratungen. Häufig gaben die Krankenkassen aber dazu einen Anlass. mehr »

Ärzte – als Partner der Industrie

Die forschenden Pharmaunternehmen binden unter anderem Ärzte in ihre Projekte ein. Was sie sich das im vergangenen Jahr haben kosten lassen, wurde jetzt veröffentlicht. mehr »