Ärzte Zeitung, 14.01.2004

Alte Menschen sollten sich beim Sport nicht überfordern

Bei 60- bis 70jährigen ist Belastungsstärke bei Puls von 100 bis 140 Schlägen pro Minute in Ordnung / Sport mit Wettkampfcharakter ungeeignet

KÖLN (ner). Von Sport profitieren nicht nur junge Menschen, sondern ebenso die Älteren. Allerdings neigen auch ältere Freizeitsportler, vor allem Männer, dazu, sich zu überfordern, so Professor Walter Schaffartzik aus Berlin. Wie ältere Menschen noch vernünftig Sport treiben können, darüber gibt es sehr konkrete Vorstellungen.

Gemütliches Radfahren ist eine der Sportarten, die für ältere untrainierte Menschen besonders gut geeignet ist. Foto: dpa

Sport sei eine gesicherte Methode, Menschen biologisch jünger zu erhalten als es dem chronologischen Alter entspreche. Das hat Schaffartzik beim traditionellen jährlichen Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Köln im Zusammenhang mit dem Thema Anti-Aging-Medizin gesagt.

Ausdauertraining sei die Basis körperlicher Fitneß mit langfristigen positiven Effekten auf den Blutdruck, das Körpergewicht, den Fett- und Zuckerstoffwechsel oder das Immunsystem. Allerdings sei immer wieder zu beobachten, daß sich ältere Menschen aus falsch verstandenem Ehrgeiz überlasten und damit ihre Gesundheit gefährden, so der Anästhesist und ehemalige Leistungssportler. Trotz kardialer Grunderkrankung würden extreme Berg- oder Wüstenwanderungen unternommen.

Und trotz Seitenstechen, Muskelkrämpfen oder Tachykardie werde der Sport nicht unterbrochen, wie eine aktuelle Studie der AOK bei 320 Freizeitläufern ergeben hat. Bei jedem zweiten Teilnehmer waren die Laktat-Werte im kritischen oder ungünstigen Bereich, also bis zu 4 mmol/l und mehr.

"Alle Sportarten, die Wettkampfcharakter haben, sind für ältere Menschen ungeeignet", sagte Schaffartzik. Wer längere Zeit keinen Sport getrieben habe, sollte zunächst mit Spazierengehen, Radfahren, später Walking (schnelles Gehen unter Einsatz der Arme) anfangen. Joggen ist wegen der erhöhten Belastung des Bewegungsapparates nicht für jeden geeignet.

Die Belastungsintensität sollte bei 60- bis 70jährigen Personen über die Herzfrequenz gesteuert werden; zwischen 100 und 140 Schläge pro Minute sind sinnvoll. Schaffartzik rät zum Tragen einer Pulsuhr, die bei Erreichen einer Frequenz-Obergrenze ein Signal abgibt.

Wichtig sei auch ein Auslaufen bei geringer Intensität, um saure Stoffwechselprodukte wieder los zu werden. Schaffartzik: "Man sollte erholt zu Hause ankommen und die Alltagsaktivitäten problemlos erledigen können."

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