Ärzte Zeitung, 04.08.2004

Muskarin-Rezeptorblocker stoppt Muskelverspannungen

Pridinol jetzt im Handel / Praxisstudie mit 2105 Patienten

MÜNCHEN (mop). Bei schmerzhaften Muskelverspannungen gibt es mit dem Muskarin-Rezeptorantagonisten Pridinol jetzt eine neue Option. Als Injektionslösung wirkt es bereits innerhalb von 30 Minuten, oral setzt die Wirkung innerhalb von zwei Stunden ein. Und: Die Substanz hat kein Suchtpotential.

Schmerzhafte Muskelverspannungen sind häufig in der täglichen Praxis. Besonders bei dauerhafter Überlastung, Fehlhaltung oder bei Schäden am Bewegungsapparat kommt es zu einem Teufelskreis zwischen Schmerz und Verspannung, der in andauernden Beschwerden münden kann. Daher ist es wichtig, Muskelverspannung schnell zu beseitigen.

Am 1. Juli ist das Myotonolytikum Pridinol (Myoson®) eingeführt worden. Es hat eine sehr hohe Affinität zu den vor allem im Rückenmark vorhandenen Muskarinrezeptoren Subtyp M1 und blockiert sie. So wird eine Weitergabe von pathologisch gesteigerter Erregung an die Muskeln verhindert, der Muskeltonus im Ruhezustand sinkt. Eine willkürliche Muskelkontraktion ist jedoch weiter möglich, wie Karin Lohmüller vom Unternehmen Strathmann bei einer Veranstaltung des Unternehmens in München gesagt hat. Das Präparat kann leicht sedierend wirken und ist eher zur Kurzzeittherapie gedacht.

In einer zweiwöchigen Anwendungsbeobachtung mit 2105 Patienten wurden Verträglichkeit sowie Zeitpunkt des Wirkeintritts des Präparates untersucht. Teilgenommen haben Patienten mit schmerzhaften Muskelverspannungen im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule und großer Gelenke, bei denen die Beschwerden im Schnitt acht Tage bestanden. Die Patienten erhielten initial ein bis zwei Ampullen mit je 2 mg des Wirkstoffes, anschließend dreimal eine Tablette mit je 4 mg am Tag.

Nach einer Woche waren Schmerz, Verspannung und Bewegungseinschränkung um 50 Prozent, nach zwei Wochen um 70 Prozent reduziert. 56 Prozent haben die Therapie abgebrochen, weil sie beschwerdefrei waren. 94 Prozent der Ärzte und Patienten haben die Verträglichkeit als gut bis sehr gut bewertet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »