Ärzte Zeitung, 06.09.2004

Klinische Meniskus-Diagnostik nur mit Test-Mix!

Orthopäden empfehlen Kombination von drei bis fünf Meniskustests / Ergänzung zu Befund- und Unfallanamnese

NEUSS (ner). Ist der Meniskus lädiert oder nicht? Will man diese Frage mit rein klinischen Mitteln beantworten, kommt es darauf an, mehrere Meniskus-Tests richtig zu kombinieren.

Durch Anamnese In Kombination mit klinischen Tests läßt sich bei den meisten Patienten klären, ob eine Meniskusverletzung vorliegt. Foto: Klaro

Professor Jörg Jerosch und Dr. S. Riemer von der Orthopädischen Klinik in Neuss wollten es genau wissen und haben bei 64 Patienten zwölf unterschiedliche Meniskustests angewandt. Später verglichen sie die klinische Diagnose mit den arthroskopischen Befunden (Sportverl Sportschad 18, 2004, 59).

Hauptergebnis: Es gibt keinen einzigen Test, der sowohl hoch sensitiv als auch spezifisch auf eine Meniskusläsion anspricht. Entweder sind die Tests sehr sensitiv, etwa die McMurray-, Apley, Steinmann-I-, Böhler- und Payr-Zeichen - sind sie positiv, kann aber auch eine andere Kniebinnenverletzung vorliegen.

Oder die Tests sind sehr spezifisch für Meniskusläsionen, fallen aber nur positiv aus, wenn bereits massive Verletzungen vorliegen, etwa der Finochietto-, Fouché, Bragard-, Krömer- und Merke-Test. Diese Tests waren nur bei 15 bis 40 Prozent der Patienten mit Meniskusverletzung positiv.

Korrekte Diagnose bei 72 Prozent der Patienten

Für die Praxis empfehlen Jerosch und Riemer außer der genauen Anamnese und klinischen Allgemeinuntersuchung daher die routinemäßige Kombination von drei bis fünf Meniskustests. Die besten Ergebnisse wurden mit dem McMurray-, Steinmann-I-, Böhler- und Appley-Test erzielt. In Kombination mit der Befund- und Unfallanamnese führten sie bei 72 Prozent der Patienten zur korrekten Diagnose einer Meniskusverletzung.

Bestätigte sich in der Arthroskopie keine Meniskusläsion, lag meist eine andere Kniebinnenverletzung vor. Von besonderem diagnostischem Wert war eine lokale, konstante Druckempfindlichkeit im Gelenkspalt: Bei 96 Prozent der Patienten fand sich ein solcher Druckpunkt in Extension und 90 Grad Beugung.

Bei unklaren Befunden kann eine MRT weiterhelfen

Jerosch und Riemer warnen jedoch davor, bei negativen Meniskus-Zeichen davon auszugehen, alles sei in Ordnung. So fanden sie bei vier Patienten trotz negativer Meniskus-Zeichen in der Arthroskopie doch Verletzungen vor.

Bei unklaren Diagnosen komme daher nichtinvasiven diagnostischen Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) eine große Bedeutung zu, besonders wenn die starke subjektive Beeinträchtigung des Patienten nicht mit den klinischen Untersuchungsergebnissen korreliert. Falle die MRT jedoch negativ aus, liege mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wirklich keine Meniskusverletzung vor, so die Orthopäden aus Neuss.

STICHWORT

Schmerzprovokations-Tests

Bei Verdacht auf Meniskusverletzungen können fünf Schmerzprovokations-Tests angewandt werden: Beim Apley-Kompressionstest befindet sich der Patient in Bauchlage. Das Knie ist 90 Grad gebeugt. Unter axialem Druck auf die Fußsohle wird der Unterschenkel rotiert. Beim McMurray-Test wird der Unterschenkel unter Außen- oder Innenrotation in eine maximale Flexionsstellung gebracht und wieder gestreckt. Bei Einklemmung: hör- und fühlbares Schnappen. Beim Steinmann-I-Zeichen umfaßt der Untersucher die Ferse, und die andere Hand sichert das Kniegelenk. Dann erfolgt eine Außen- und Innenrotation in verschiedenen Kniebeugegraden. Beim Böhler-Zeichen wird ein Ab- oder Adduktionsschmerz bei gestrecktem Kniegelenk provoziert. Und beim Payr-Test befindet sich der Patient im Schneidersitz. Auf den medialen Gelenkspalt wird Druck ausgeübt. (ner)

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