Ärzte Zeitung, 30.09.2004

Lebenslanger Sport hält Herzmuskel geschmeidig

Diastolische Herzfunktion von sportaktiven und bewegungsarm lebenden Senioren verglichen

DALLAS (ob). Sport hält das Herz jung. Sportmuffeln, die dies nicht glauben wollen, präsentieren US- Kardiologen nun einen per Herzkatheter und Echokardiographie erbrachten Beweis für diese These.

Sport macht nicht nur Spaß, sondern beugt auch der Entwicklung einer Herzinsuffizienz bei Älteren vor. Foto: AOK

Auch das Herz unterliegt Alterungsprozessen. Faktum ist, daß infolge funktioneller Schwäche die Herzinsuffizienz altersabhängig zunimmt. Allerdings ist bei nahezu jedem zweiten Betroffenen die systolische Funktion noch erhalten - was zu der Vermutung geführt hat, daß dann wohl eine diastolische Dysfunktion Ursache der Herzinsuffizienz sein muß.

Außer der Relaxation ist die Compliance des Herzmuskels entscheidend für die diastolischen Eigenschaften des Ventrikels. Compliance ist ein Maß für die Elastizität des Herzmuskels, genauer: für die spätdiastolische passive Dehnbarkeit des Myokards. Abnahme der Compliance bedeutet also eine zunehmende Steifigkeit des Herzmuskelgewebes.

Eine Abnahme der ventrikulären Dehnbarkeit infolge altersbedingter Veränderungen der myokardialen Gewebestruktur scheint somit eine Teilursache für die höhere Inzidenz der Herzinsuffizienz im Alter zu sein. Aber ist dieses veränderte diastolische Dehnungsverhalten wirklich nur eine Frage des Alters und damit schicksalshaft oder läßt es sich durch die Lebensweise - etwa durch regelmäßigen Sport - günstig beeinflussen? Dies wollte die Arbeitsgruppe um Dr. Benjamin D. Levine in Dallas im US-Staat Texas in einer Studie klären (Circulation 110, 2004, 1805).

Sie hat dazu drei Gruppen von gesunden Probanden gründlich kardiologisch untersucht: Senioren um die 70 Jahre, die einen eher bewegungsarmen Lebensstil pflegten, Senioren gleichen Alters, die als Ausdauerathleten lange Zeit erfolgreich - bis hin zu Meister-Titeln - Leistungssport betrieben hatten, und junge Probanden um die 30 Jahre mit ebenfalls wenig sportlichen Ambitionen.

Bei den Sportmuffeln unter den Senioren stellten die Untersucher tatsächlich eine deutliche Abnahme der diastolischen Dehnbarkeit des Myokards im Vergleich zu den jüngeren Teilnehmern der Kontrollgruppe fest. Nicht so bei den über Jahrzehnte sportaktiven Altersgenossen: Bei ihnen hatte das Myokard noch immer nahezu die gleiche Elastizität wie das der 30jährigen.

Fazit: Nicht alles läßt sich auf das Älterwerden schieben. Regelmäßiges Ausdauertraining kann vermeintlich natürliche kardiale Alterungsprozesse beeinflussen und möglicherweise der Entwicklung einer Herzinsuffizienz im Alter vorbeugen.

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