Ärzte Zeitung, 19.05.2005

Im Jahr 2050 wird jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein. Was hat das für Auswirkungen auf unsere Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigen sich Ärzte, Wissenschaftler und Autoren. In einem sind sie sich einig: Wenn die Alten nicht zum alten Eisen gehören wollen, müssen sie beweglich bleiben - körperlich und geistig.

Morgens schwimmen, abends tanzen - wie sich Alte fit halten

Sportmediziner empfiehlt Senioren generell alle Ausdauer-Sportarten / Sport hält die Rentner nicht nur fit, sondern hilft auch gegen Einsamkeit

Berliner Senioren üben sich in Wassergymnastik. Vor allem Ausdauer-Sportarten haben auch im Alter fast durchweg positive Wirkungen. Foto: ddp

Von Susann Huster

Marie-Luise Stöckels Wassergymnastik-Kurse sind immer randvoll belegt. Die Übungsleiterin beim Verein für Seniorensport in Aachen ist ständig von sportlich aktiven Rentnern umgeben. "Wer gut drauf ist, geht am Montagmorgen zum Schwimmen und nachmittags zum Tanztraining", erzählt sie. Das sportliche Vereinsleben hält die betagten Athleten körperlich und geistig fit. Obendrein ist es Balsam für die Psyche, denn die gemeinsamen Aktivitäten helfen gegen die Einsamkeit.

Was für die sportlichen Aachener Senioren zum Alltag gehört, ist für viele ältere Menschen ein Horror. Sie treiben keinen Sport, weil sie Angst davor haben, sich zu überanstrengen oder sich einfach nicht überwinden können. Das hält der Sportmediziner Klaus-Michael Braumann vom Institut für Sport- und Bewegungsmedizin Hamburg für falsch.

Er empfiehlt Älteren generell alle Ausdauer-Sportarten, bei denen sie sich mit geringer Intensität über einen längeren Zeitraum bewegen können. Dazu gehörten unter anderem Wandern, Walking, Schwimmen, Rudern und Skiwandern oder -langlauf. Weniger geeignet seien - zumindest für betagte Sport-Einsteiger - Disziplinen wie Tennis oder Fußball, bei denen man auf Bewegungen des Gegners reagieren muß.

"Das macht zwar mehr Spaß, belastet aber den Bewegungsapparat", warnt der Mediziner. Wer allerdings sein Leben lang Tennis gespielt habe, könne dies bedenkenlos auch im Alter tun.

Vorsichtiger sollten Braumann zufolge Senioren sein, die erst spät ihre guten Vorsätze umsetzen und mit dem Sport beginnen. Anfänger neigten häufig zu Überbeanspruchung, die zu fatalen Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems führen können. Deshalb sei bei jahrelangen Sportmuffeln unbedingt vorher eine ärztliche Untersuchung nötig.

Sport, so Braumann, wirkt sich positiv auf die Stoffwechselprozesse aus, beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose vor und hilft bei Gelenkbeschwerden. Zudem gebe es Belege, daß sportliche Senioren auch geistig viel leistungsfähiger sind als ihre unbeweglichen Altersgenossen.

Wichtig sei, die Sache langsam anzugehen und ganz allmählich zu steigern, um den Puls nicht zu sehr in die Höhe zu treiben. Ziel sollte nach Empfehlung Braumanns sein, sich dreimal wöchentlich 45 bis 60 Minuten moderat auszupowern. Ideal sei eine Kombination aus Ausdauersport und leichtem Krafttraining. Die meisten Senioren scheuten sich allerdings vor einer Anmeldung im Verein oder im Fitness-Studio.

Auch Übungsleiterin Stöckel erlebt tagtäglich die Vorteile, die der Sport für die Senioren mit sich bringt. "Sie gehen anders, sind viel flotter, können wieder fest zugreifen, stricken und sich die Schuhe selbst zubinden", berichtet sie von deren Fortschritten. Stöckel sieht auch die mentalen Vorzüge, die der Sport für die Alten bringt: "Sie sind nicht mehr allein, sie sehen einfach schöner aus und - sie lächeln."

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