Ärzte Zeitung, 30.06.2005

Plötzlicher Herztod - FIFA handelt

Künftig sollen alle WM-Verbände über die Gesundheit ihrer Spieler aufklären

NEU-ISENBURG (Smi). Auf dem Fußballplatz bricht ein Spieler plötzlich ohne Fremdverschulden bewußtlos zusammen. Ein Arzt eilt herbei, beginnt mit Wiederbelebungsversuchen. Letztlich vergeblich. Der Fußballer stirbt. Diagnose: plötzlicher Herztod.

Ein solches Szenario hat in den vergangenen Jahren immer wieder für großes Entsetzen gesorgt. Jetzt will der Fußball-Weltverband FIFA handeln und von den 32 Teilnehmern der WM 2006 für alle Spieler eine kardiologische Unbedenklichkeitserklärung einfordern.

In dieser Erklärung soll unter anderem aufgeführt werden, welche Untersuchungen bei dem Spieler wann vorgenommen worden sind, welche Diagnosen bislang vorliegen und wie die Leistungsfähigkeit des Betroffenen einzustufen ist.

Ziel sei es, einheitliche Standards zu schaffen, was künftig untersucht werden muß, sagte der deutsche FIFA-Arzt Dr. Toni Graf-Baumann. Noch sei eine solche Erklärung nicht verbindlich. Ob ein herzkranker Spieler, wie etwa der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah, spielt oder nicht, werden weiterhin der Spieler und die nationalen Verbände entscheiden.

Der Tod des Kameruner Nationalspielers Marc-Vivien Foé beim Confederations Cup 2003 in Frankreich hat für die FIFA den Ausschlag gegeben, sich stärker mit dem plötzlichen Herztod zu befassen. Der 28jährige litt an einem angeborenen Herzfehler und brach im Spiel gegen Kolumbien tot zusammen.

Ebenfalls auf dem Platz starben 2004 der Brasilianer Serginho von Sao Caetano und 2003 der Ungar Miklos Feher (Benfica Lissabon). Jüngstes Opfer ist der Profikicker Hugo Cunha vom portugiesischen Erstligisten União Leiria. Er starb am vergangenen Sonntag.

In Deutschland erleiden jährlich über 100 000 Menschen einen plötzlichen Herztod, davon aber die wenigsten (einige hundert) beim Sport. Laut Professor Wilfried Kindermann vom Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes beträgt die jährliche Inzidenz bei jungen Sportlern zwischen 0,5 und 2 plötzliche Herztode pro 100 000 Athleten.

Sportler, die älter als 35 Jahre sind, seien stärker gefährdet. Bei augenscheinlich gesunden Älteren werde ein Risiko von 1:15 000 (Jogger) bis 1:50 000 (Marathonläufer) angenommen. Am häufigsten seien plötzliche Herztodesfälle beim Basketball und American Football sowie beim Laufen - und beim Fußball beobachtet worden ("Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin" 4, 2005, 106).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »