Ärzte Zeitung, 20.07.2005

Kranke Beckenarterien machen Radprofis die Beine schwer

Hoher Blutdurchfluß macht A. iliaca externa unelastisch / Intima-Schädigung führt zu Stenosen / Optionen sind Gefäßfixierung oder Teilresektion

BERLIN (gwa). Wenn Profi-Radfahrer wegen Beinschmerzen nicht mehr so radfahren können wie sie wollen, kann die Ursache eine belastungsbedingte Schädigung der Beckenschlagader sein. Privatdozent Dr. Hartmut Rimpler vom Vivantes-Klinikum Friedrichshain in Berlin hat dafür ein spezielles Diagnose-Programm entwickelt. Und er behandelt Betroffene je nach Ausmaß der Arterienschäden mit einer Arterienfixierung oder Entfernung des kranken Segmentes.

Radprofis bei der Tour de France. Wer trotz vielen Trainings bei Radrennen nicht mehr mithalten kann, hat vielleicht die Radfahrer-Krankheit. Foto: dpa

Radprofis fahren zwischen 30 000 und 50 000 Kilometer pro Jahr mit dem Rad. "In Ruhe beträgt der durchschnittliche Blutfluß in ein Bein 250 ml pro Minute. Unter Belastung haben Profis das zehn- bis 15fache", erklärte Rimpler im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Durch diese jahrelangen Belastungen werden die Beckenarterien besonders in Längsrichtung unelastisch. Die Arterien werden länger und beim Pedalentreten gestaucht und immer wieder geknickt, was die Durchblutung mindert." Der Elastizitätsverlust kann auch zu Einrissen der Gefäßinnenwand führen. Narben bilden sich und die Intima verdickt. Stenosen und sogar Gefäßverschlüsse sind die Folge.

Kommt ein Radfahrer mit Symptomen wie massive Schmerzen unter Maximalbelastung, etwa beim Bergfahren, oder hat er trotz intensiven Trainings unerklärlich hohe Laktatwerte, dann wird die Durchblutung etwa mit Duplex-Sonographie bei einer Fahrrad-Ergometrie gemessen.

Bei einem Profi wird bei einer Ergometrie die Durchblutung gemessen. Foto: Rimpler

Außerdem werden Angiographien gemacht, und zwar - und das ist der Clou - in Funktionsstellungen. Die Radfahrer legen sich auf die Seite und machen Tretbewegungen. Dabei werden Aufnahmen gemacht, und man kann sehen, ob es etwa zu Knickstenosen kommt.

Hat ein Betroffener eine Knickstenose, fixiert Rimpler, Direktor der Klinik für Chirurgie, Gefäß- und Thoraxchirurgie, in einem minimal-invasiven Eingriff die Arterie. Dazu wird die Beckenarterie aus ihrem Bett herausgelöst und dann wieder in das Bett zurück gelegt. Diese Manipulation fördert die Fibrinbildung im Gefäßbett; die Arterie wird dort fixiert und kann nicht mehr knicken.

Sind schon Arterienstenosen entstanden, reseziert Rimpler das stenosierte Segment. Inzwischen hat Rimpler elf Profis behandelt, acht Männer und drei Frauen. Die meisten konnten danach wieder erfolgreich fahren. Auch andere Sportler, etwa Eis- oder Extremlangläufer, können von der Radfahrer-Krankheit betroffen sein.

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