Ärzte Zeitung, 05.09.2006

"Wenn es nötig ist, werde ich auch Platzwunden nähen"

Der Dortmunder Orthopäde Dr. Peter Dietrich ist Teamarzt der deutschen Fußballnationalmannschaft der geistig Behinderten

Von Siegfried Schmidtke

Noch bis zum 16. September findet in Deutschland die 4. INAS-FID, die Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit geistiger und Lernbehinderung, statt (wir berichteten). Beim Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan in der Duisburger MSV-Arena, das die deutschen Kicker mit 3:0 gewannen, saß erstmals auch ein Mediziner im deutschen Betreuer-Team am Spielfeldrand.

Dr. Peter Dietrich hat als Mannschaftsarzt die medizinische Betreuung der deutschen Fußball-Nationalelf der Menschen mit geistiger Behinderung übernommen.

Vor gut zwei Wochen übernahm Dr. Peter Dietrich als Mannschaftsarzt die medizinische Betreuung der deutschen Behinderten-Nationalelf. Der 39jährige Orthopäde und Sportmediziner aus Dortmund spielte vor 20 Jahren aktiv für den VfL Gummersbach in der Handball-Bundesliga. Danach wechselte er wegen einer Handverletzung zum American Football. Mit den Düsseldorf Panther wurde er 1995 Deutscher Meister und Europapokalsieger.

Gruppenbild mit Präsident: Horst Köhler stattete der Fußball-Nationalmannschaft der Behinderten einen Besuch ab. Im Hintergrund rechts Dr. Peter Dietrich.

Seine Medizinerausbildung absolvierte Dietrich an der Ruhr-Universität Bochum. Dort arbeitet er zuletzt als Oberarzt an der Orthopädischen Uniklinik. Seit gut einem Jahr betreibt er eine Orthopädische Praxis in Dortmund.

Nach der, wie er sagt, "wunderbaren FIFA-Weltmeisterschaft im Juni und Juli in Deutschland", entschloß sich Dietrich, mit "gehandicapten Menschen was zu machen" und bewarb sich um die vakante Stelle beim Behinderten-Sportverband Nordrhein-Westfalen (BSNW).

Ein Spieler ist gefoult worden. Dietrich (links) ist sofort bei ihm.

Mit den beiden Physiotherapeuten Rino Ferreri aus Lemgo und Heinrich Kowalczyk aus Bonn kümmert er sich nun um die sportmedizinische Betreuung der geistig behinderten Fußballer. "Die Verletzungsmuster", so der Orthopäde, "sind die gleichen wie bei nichtbehinderten Sportlern. Allerdings sind die Spieler natürlich nicht so austrainiert wie Profis."

Verstauchungen, Verrenkungen und Muskelkrämpfe werden direkt auf dem Platz oder am Spielfeldrand versorgt. "Wenn es nötig ist", meint Dietrich, "werde ich auch Platzwunden nähen."

Gestern abend stand in Lippstadt das zweite Vorrundenspiel gegen Nordirland auf dem Programm. Am Donnerstag (7. September) spielen die deutschen Kicker um 12.15 Uhr dann in Bielefeld gegen Rußland.

Topics
Schlagworte
Sportmedizin (1794)
Personen
Horst Köhler (141)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Mit Geriatrietests zur Diabetestherapie à la carte

Der eine ist fit, der andere gebrechlich: Alte Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen individuelle Therapieformen. Ein Geriater gibt Tipps. mehr »