Ärzte Zeitung, 28.11.2007

Internist kritisiert Ärzte von Werder Bremen

Kam es bei Ivan Klasnic zu Behandlungsfehlern?

BREMEN (cben). Ein Bremer Internist erhebt schwere Vorwürfe gegen die medizinische Abteilung des Fußballvereins Werder Bremen.

 Internist kritisiert Ärzte von Werder Bremen

Wirbel um die Nummer 17: Ein Internist kritisiert die Behandlung des Stürmers Ivan Klasnic.

Foto: ddp

Es geht dabei um den Werder-Stürmer Ivan Klasnic. Er spielt als weltweit erster Sportler mit einer transplantierten Niere Profifußball - und er soll falsch behandelt worden sein. Die Nierentransplantation hätte womöglich verhindert werden können, sagte Professor Arno-Ekkehart Lison, Internist am Klinikum Bremen Mitte (KBM), in einem Fernsehinterview: "Es ist von heute gerechnet sechs Jahre her, dass sichere medizinische Signale da waren, die darauf hingewiesen haben, dass er nierenkrank ist."

Der Werder-Angreifer war vor zwei Jahren im Klinikum Mitte am Blinddarm operiert worden, dabei seien die schlechten Nierenwerte festgestellt worden. Lison, Direktor des Zentrums für Innere Medizin am KBM, war Klasnics behandelnder Arzt. Ihm seien auch die Werte des Stürmers aus der Zeit vor der Op vom Werder Mannschaftsarzt Götz Diamanski zur Verfügung gestellt worden, so Lison. "Ich habe schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen, Aber es hat offenbar niemanden interessiert", erklärte er dem "Weser Kurier".

"Also eigentlich muss jeder normale Hausarzt das auch erkennen, und er hätte es auch sicher erkannt." Auch Klasnics Leiden selbst könnte auf Fehler zurückzuführen sein, so Lison: "Bei den Hochleistungssportlern spielen die Schmerzmittel eine ganz große Rolle, und es gibt mehrere Signale, dass unverändert weiter in eigentlich nicht medizinisch vertretbarem Umfang Schmerzmittel eingesetzt werden. Diese Schmerzmittel führen zu Schäden in den Nieren (...)."

Werder Bremen schweigt. "Wir können noch in keiner Form wissen, wie wir darauf reagieren, was Herr Lison da getan hat", sagte Werder-Sprecher Tino Polster zur "Ärzte Zeitung". Weder Lison noch Dimanski waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

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