Ärzte Zeitung online, 18.08.2009

Kenianer brauchen weniger Sauerstoff zum Rennen

BAYREUTH (dpa). Seit Jahren laufen kenianische Langstreckenläufer der Weltspitze davon - jetzt haben Forscher der Universität Bayreuth herausgefunden, dass dies an ihrer besonders ökonomischen Muskulatur liegt. Bislang waren Sportwissenschaftler von anderen Ursachen ausgegangen: "Die Fachwelt war sich sicher: Ein größeres Herz, höheres Blutvolumen und besserer Sauerstofftransport in die Muskulatur ermöglichen den kenianischen Läufern diese außergewöhnlichen Leistungen", teilte die Universität mit.

Die Bayreuther zeigten nun jedoch, dass die optimal auf die Laufbelastung abgestimmte Muskelmasse der Kenianer für deren Erfolge verantwortlich ist.

Eigentlich sollte die Studie nur die alten Annahmen bestätigen. Dazu trainierten zehn Läufer aus dem Hochland im Westen Kenias sechs Wochen lang in Bayreuth - statt auf 2100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel auf 350 Metern. Die Analyse zeigte jedoch, dass der Hämoglobingehalt in den Blutkörperchen der Kenianer überraschenderweise genauso hoch war wie der der deutschen Vergleichsgruppe. Im Laufe der Zeit fiel der Wert sogar darunter. Auch das Herzvolumen der Kenianer war eher kleiner.

"Wir haben festgestellt, dass Kenianer bei Geschwindigkeiten von über 18 Stundenkilometern ökonomischer laufen", erläuterte Nicole Prommer vom Forschungsteam. "Afrikaner brauchen für eine gewisse Geschwindigkeit weniger Sauerstoff für ihre Muskulatur." Dies liege offenbar daran, dass die Muskelmasse optimal auf die Belastung durch andauerndes Laufen abgestimmt sei und kein Sauerstoff für Muskelgruppen benötigt werde, die nicht an der Fortbewegung beteiligt sind.

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