Ärzte Zeitung, 18.07.2008

Migranten werden über Risiken von Aids aufgeklärt

Europaweites Projekt in Hannover gestartet

HANNOVER (cben). Das Migranten-Aids-Projekt (MAP) in Hannover wird von der EU mit 500 000 Euro unterstützt und soll in den kommenden drei Jahren europaweit in 16 Ländern bis zu 100 000 Menschen mit Migrationshintergrund über Aids aufklären. Das teilte das Ethnomedizinische Zentrum (EMZ) in Hannover mit.

Unterzeichnen Fördervertrag: Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann, Ramzan Salman, Ethnomedizinisches Zentrum.

Foto: Sozialministerium NS

Das EMZ will mit dem Geld in den Partnerländern Standorte aufbauen wie in Hannover. Dort lernen Mediatoren aus den verschiedenen Ländern, die Fremden in ihrem Heimatland in ihrer jeweiligen Muttersprache über die Risiken von AIDS aufzuklären.

"AIDS ist immer noch Tabu unter Migranten - Testung und Therapie werden zu selten genutzt," sagte der Projektleiter, der Arzt Matthias Wienold. Betroffen sei zum Beispiel auch England. "Dort leben inzwischen besonders viele Osteuropäer, die aufgeklärt werden sollen. In Estland leben viele Russen und in der Türkei ebenfalls viele Osteuropäer, die im Gastland Informationen über Aids benötigen." Nach Angaben der WHO ist die Zahl der Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien von 160 000 im Jahr 2004 auf 270 000 im Jahr 2006 gestiegen.

Das Geld für das Projekt in Hannover wurde im Rahmen des Projektes "Aids and Mobility", das in den Niederlanden entworfen wurde, gewährt. "Die Antragstellung war den Holländern zu kompliziert geworden", erklärte Wienold, "außerdem zahlt die EU nur noch, wenn die Projektträger selbst 40 Prozent der Gesamtsumme aufbringen."

Zugesichert sind für das Programm insgesamt 838 000 Euro. 338 000 Euro werden von den übrigen sechs Partnern in Brüssel, Istanbul, Kopenhagen, London, Rom und Tallinn eingebracht werden, hieß es. "Aids and Mobility Europe wird das Signal geben, dass Prävention mit Migranten für Migranten der richtige Weg ist, um Erfolg bei der Aufklärung zu haben," sagte Ramazan Salman, Geschäftsführer des EMZ.

Das gesamte Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Es wird intern von einem der Partner evaluiert und extern von der Weltgesundheitsorganisation in Kopenhagen.

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