Ärzte Zeitung online, 29.07.2008

Berliner Wirtin Thimm kämpft gegen Rauchverbot

BERLIN (dpa). Für die Berliner Kneipenwirtin Sylvia Thimm geht es an diesem Mittwoch in Karlsruhe um ihre berufliche Existenz. Sie ist eine von drei Gastronomen, die vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Nichtraucherschutz geklagt haben.

Für Berlin will sie eine Gesetzesänderung für inhabergeführte Lokale mit nur einem Raum erreichen. Ein Rauchverbot treibe sie wegen hoher Umsatzeinbußen in den Ruin, argumentiert die Wirtin.

Mit ihrer kleinen Musikkneipe "Doors" im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg hat sich Thimm einen Lebenstraum erfüllt. Die 45- Jährige mit der kessen Berliner Schnauze arbeitete jahrelang bei einer Firma, die Signalanlagen für die Bahn produziert. Als ihre Tochter aus dem Gröbsten heraus war, übernahm sie 2002 die Kneipe, 36 Quadratmeter groß, von einem Bekannten. "Ich habe einfach mehr Spaß jetzt. Am Geld liegt es nicht, da habe ich früher mehr verdient."

Die Freude am neuen Job sei ihr durch das Rauchverbot jedoch gründlich verdorben worden, klagt Thimm. Seit Januar muss es in Berliner Gaststätten einen abgetrennten Raum für Raucher geben. In allen anderen Teilen des Lokals dürfen sich weder Gäste noch Wirte eine Zigarette anstecken. Thimm kann ihre Mini-Kneipe aber nicht mehr teilen. Da sie sich vom Staat gegängelt fühlt, hat sie Verfassungsbeschwerde eingelegt, es ist eine Art Musterklage.

"Mit den Gästen kann man eigentlich nur noch über das Rauchen sprechen und gar nicht mehr über die schönen Nebensächlichkeiten in dieser verrückten Stadt", klagt Thimm. Seit sie 20 ist, raucht die Wirtin selbst - so viel, dass sie über die Zahl der Zigaretten pro Tag lieber schweigt. 70 Prozent ihrer Gäste sind ebenfalls Raucher. "Meine Gäste wollen keine Cocktails oder linksdrehende, aufgeschäumte Yogi-Tees. Die wollen Bier, Wodka oder Whisky. Und eine Zigarette gehört dazu."

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