Ärzte Zeitung online, 25.08.2008

Nobelpreisträger Robert Solow: Mindestlöhne überschätzt

MÜNCHEN (dpa). Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow hält Ängste vor steigender Arbeitslosigkeit bei Einführung eines Mindestlohnes für unbegründet. "Die Bedeutung der Mindestlöhne wird von vielen Ökonomen schlicht überschätzt."

"Mindestlöhne führen fast nie zur Arbeitslosigkeit", sagte der Preisträger aus dem Jahr 1987 am Rande des Treffens von 15 Nobelpreisträgern und jungen Wirtschaftswissenschaftlern in Lindau am Bodensee. Dies hätten neue Studien in den USA, den Niederlanden, in Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Deutschland gezeigt.

Befürchtungen, viele Unternehmen könnten Mindestlöhne nicht zahlen, seien eher Vorurteile, sagte Solow. Die Firmen investierten vielmehr in neue Maschinen oder organisierten ihre Produktionsabläufe neu. "Sie steigern also ihre Effizienz - und können deswegen auch die höheren Löhne zahlen." Für einzelne Dienstleistungen - etwa im Friseurhandwerk oder in der Gastronomie - könnten zwar die Preise steigen, in anderen Ländern habe dies die Geschäfte jedoch nicht beeinträchtigt.

An der diesjährigen traditionellen Wirtschaftstagung in Lindau am Bodensee hatten bis zum Samstag 15 Nobelpreisträger und zahlreiche Nachwuchswissenschaftler aus mehr als 50 Ländern teilgenommen. Die Tagung findet seit 2004 alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr hatten die Teilnehmer vor allem über die Folgen der Globalisierung für die Arbeitsmärkte und die internationale Krise an den Finanzmärkten diskutiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »