Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 30.09.2008

BÄK gedenkt verfolgter jüdischer Ärzte

BERLIN (dpa). 70 Jahre nach Verhängung des Berufsverbots für jüdische Ärzte in Nazi-Deutschland hat die Bundesärztekammer der verfolgten Kollegen gedacht.

"Die Rolle von Ärzten in der Zeit des Nationalsozialismus ist auch über 60 Jahre nach Ende der NS-Zeit noch längst nicht aufgearbeitet", sagte Bundesärztekammer-Präsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe in Berlin. Es seien schließlich auch viele Ärzte an der Vertreibung ihrer jüdischen Kollegen beteiligt gewesen.

Zum 30. September 1938 waren per Gesetz alle Approbationen der jüdischen Ärzte im Deutschen Reich erloschen. Sie durften sich danach nur noch "Krankenbehandler" nennen und ausschließlich jüdische Patienten behandeln. Es seien nicht allein Feigheit und Opportunismus gewesen, die so manchen Arzt zum Verrat der jüdischen Kollegen geführt hätte, sondern oft auch ideologische Überzeugung. "Eine gründliche Aufarbeitung steht nach wie vor aus. Jede Initiative dazu wird von der Ärzteschaft nachdrücklich unterstützt", sagte Hoppe.

Nach Jahrzehnten des Wegschauens war das Thema erst in den 80er Jahren auf Ärztetagen aufgegriffen worden. "Die Scham wird immer bleiben; wir können die Vergangenheit niemals bewältigen", sagte der frühere Ärztekammer-Präsident Professor Karsten Vilmar auf dem Deutschen Ärztetag 1987 in Karlsruhe. Hoppe betont die Verpflichtung, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »