Ärzte Zeitung, 10.11.2008

"Pauschalierungen schaffen die falschen Anreize"

Gründer des Zukunftsforums Demenz fordert mit Blick auf ältere Menschnen mehr Einzelleistungsvergütungen

DÜSSELDORF (iss). Der Trend zur Pauschalierung ärztlicher Leistungen und der Abschluss von Selektivverträgen zwischen Krankenkassen und Ärztegruppen behindern die notwendige Entwicklung strukturierter Versorgungskonzepte, wie sie gerade für Krankheitsbilder wie Demenz notwendig sind.

Davor warnt Günther Sauerbrey, Vice President von Merz Pharmaceuticals und Gründer des Zukunftsforums Demenz. Pauschalierungen wie im EBM 2008 schaffen die falschen Anreize und laufen den Versorgungsnotwendigkeiten zuwider, glaubt er. "Alte Menschen brauchen die Ärzte häufig. Da wäre es besser, wir hätten mehr Einzelleistungsvergütungen", sagte Sauerbrey auf einer Veranstaltung des Zukunftsforums Demenz in Düsseldorf.

Mit Sorge sieht er auch Selektivverträge wie den AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg. Der Hausarzt bekomme dort schon bei einem einzigen Patientenkontakt die Pauschale fürs Quartal.

"Wenn er die Patienten sieben bis acht Mal im Quartal kontaktieren muss, werden die Leistungen nicht abgebildet", bemängelte er. Aus Sicht älterer Menschen wäre es besser, wenn der Arzt für jeden einzelnen Besuch im Heim ein Honorar bekäme und nicht nur bei Besuchen zur "Unzeit".

Sauerbrey kritisierte auch die Nutzenbewertung für einzelne Therapiemaßnahmen bei Demenz durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Der Bewertungsauftrag und die Umsetzung durch das Institut würden die Therapiemaßnahmen isoliert sehen und damit den multimodalen Ansatz unberücksichtigt lassen.

"Damit wird eine Bewertung vorgenommen, die der Versorgungswirklichkeit nicht entspricht", sagte Sauerbrey.

Topics
Schlagworte
Politik & Gesellschaft (75734)
Organisationen
AOK (7168)
IQWiG (1160)
Krankheiten
Demenz (3077)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »