Ärzte Zeitung online, 28.01.2009
 

Streit um Hochschulzulassung geht weiter

BERLIN (dpa). Der Streit um die Studienzulassung in Numerus-clausus-Fächern geht weiter. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wies am Mittwoch jede Schuld an Zeitverzögerungen bei der Entwicklung eines computergesteuerten Service-Verfahrens zurück.

Damit sollen bei Studienbewerbungen von Abiturienten an gleich mehreren Hochschulorten mithilfe eines Datenabgleichs Doppeleinschreibungen verhindert werden. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) habe vielmehr "das von ihr selbst vorgelegte Übergangsverfahren nicht fristgerecht umsetzen können", sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel.

Die Doppeleinschreibungen führen seit Jahren dazu, dass 10 bis 15 Prozent der Studienplätze ausgerechnet in begehrten Mangelfächern unbesetzt bleiben. Ein Sprecher der ZVS in Dortmund wies die Angaben der HRK als falsch zurück. Zum einen gebe es ein einsetzbares Übergangsmodell, das allerdings im vergangenem Herbst nur von vier Universitäten und acht Fachhochschulen genutzt worden sei. Zum anderen seien die technischen Probleme bei der Weiterentwicklung des Service-Systems durch ständige Nachforderungen der Rektorenkonferenz entstanden.

Wintermantel sagte dagegen in Berlin: "Das ist einfach nicht wahr." Auch sei sie überzeugt, dass sich bei Funktionieren des von den Rektoren angestrebten "dialogorienten Service-Verfahrens" auch alle Hochschulen beteiligen werden. Der Studieninteressent könne dann im Internet seinen Rangplatz auf der Hochschul-Bewerberliste jeweils selbst ablesen. Wintermantel räumte ein, dass das Verfahren "ziemlich kompliziert" sei. Ziel bleibe ein Start möglichst zum Herbst 2010. Wie viele Hochschulen sich in diesem Herbst an dem Übergangsmodell beteiligen, wolle die HRK in den nächsten Tagen per Rundbrief erfragen.

Die Rektoren hatten sich am Vortag zu einer Sondersitzung getroffen, um die Lage zum kommenden Wintersemester zu besprechen. Seit Jahren gibt es Klagen über ein Einschreib-Chaos an den Hochschulen. Mit der Umstellung der bisherigen Diplom-Studiengänge auf das internationale Bachelor- und Masterabschlusssystem sind immer mehr Fächer aus dem zentralen Vergabeverfahren der ZVS herausgenommen worden. Zudem können sich die Hochschulen auch in Fächern mit einem bundesweiten Numerus clausus 60 Prozent ihrer Studienanfänger selbst auswählen.

Nach Aussage der Vorsitzenden des Bundestagsbildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), unterstreicht der Streit die Notwendigkeit eines Bundesgesetzes zur Hochschulzulassung. Dafür sprachen sich auch Grüne und Linke aus. Kai Gehring (Grüne) sagte, es sei ein "Stück aus dem Tollhaus", dass für jeden zweiten Studiengang örtliche Beschränkungen gelten, gleichzeitig aber durch das unorganisierte Nachrückverfahren kostbare Plätze unbesetzt blieben. Auch Nele Hirsch von der Fraktion die Linke forderte die Koalition auf, angesichts des zu erwartenden neuen Zulassungschaos im Herbst endlich ihr Kompetenzrecht wahrzunehmen, und Hochschulzulassung und Abschlüsse durch ein einheitliches Bundesgesetz zu regeln.

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