Ärzte Zeitung online, 04.03.2009

Fünf Millionen Arbeitsplätze zu wenig

NÜRNBERG (dpa). In Deutschland fehlen nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rund fünf Millionen Arbeitsplätze. Offiziell waren im Durchschnitt des vergangenen Jahres 3,268 Millionen Menschen arbeitslos.

Zur genauen Darstellung der Unterbeschäftigung müssen nach Angaben des IAB auch die "Stille Reserve" von derzeit 1,15 Millionen Menschen sowie die Teilnehmer an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie die Ein-Euro-Jobber gezählt werden.

Zur "Stillen Reserve" rechnet das IAB Männer und Frauen, die keine Beschäftigung haben, grundsätzlich aber erwerbsbereit sind und aus diversen Gründen nicht in der Arbeitslosenstatistik erscheinen. "Die Arbeitslosenstatistik sollte offenlegen, wie viele Menschen tatsächlich ein Beschäftigungsproblem haben", betonte das IAB am Mittwoch in Nürnberg in einer Mitteilung.

Einer Studie zufolge ist die deutsche Arbeitslosenstatistik seit der Hartz-IV-Reform vor vier Jahren transparenter als in den meisten anderen Ländern. So werden gerade in den als arbeitsmarktpolitisch erfolgreich geltenden Ländern Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden die Arbeitslosigkeit wesentlich enger abgegrenzt und somit die Zahlen kleiner gerechnet als in Deutschland.

So seien die niedrigen Arbeitslosenquoten in diesen Ländern auch eine Folge hoher Invaliditätsraten. Der Anteil der Bezieher von Erwerbsunfähigkeitsrenten liegt laut IAB in den Niederlanden bei acht Prozent, in Großbritannien bei sieben, in Deutschland aber nur bei drei Prozent aller Personen im erwerbsfähigen Alter. Bei Anwendung der strengeren deutschen Definition von Arbeitslosigkeit wurde sich die Arbeitslosenquote in den Niederlanden mehr als verdoppeln, heißt es in der Studie. In Schweden schätzten Forscher die Unterbeschäftigung sogar auf mehr als 20 Prozent - bei einer offiziell ausgewiesenen Arbeitslosenquote von sechs Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »