Ärzte Zeitung online, 12.03.2009

Ministerium will Strahlenbelastung im Trinkwasser reduzieren

BERLIN/SALZGITTER (dpa). Das Bundesumweltministerium will die radioaktive Belastung von deutschem Trinkwasser reduzieren. Es gebe zwar keine akuten Gesundheitsbedenken, mit Blick auf das Vorsorgeprinzip bestehe jedoch Handlungsbedarf, teilte das Ministerium am Donnerstag in Berlin mit.

Im Auftrag des Ministeriums hatte das Bundesamt für Strahlenschutz von 2003 bis 2008 stichprobenartig das Trinkwasser von 582 deutschen Wasserwerken untersucht. Keine Wasserprobe verstieß dabei gegen geltendes Recht.

"Eine Gefahr für die Gesundheit besteht nach wissenschaftlicher Einschätzung nicht", betonte das Amt in Salzgitter. Je nach zugrunde gelegtem Maßstab gebe es jedoch Handlungsbedarf. Werde der aktuelle, aber noch nicht umgesetzte EU-Entwurf zur Berechnung von Radioaktivität im Trinkwasser angewendet, überschreite eine der 582 Stichproben die sogenannte Gesamtrichtdosis von 0,1 Millisievert pro Jahr. Der EU-Entwurf sieht eine Messung der natürlichen Radioaktivität von Uran und Radium im Wasser vor. Würden zusätzlich auch Radon und seine Zerfallsprodukte einbezogen, wäre bei 57 der untersuchten Wasserwerke - rund jedem zehnten - eine Überschreitung der Gesamtrichtdosis festzustellen.

Anders als die Trinkwasserverordnung unterscheidet zudem das Strahlenschutzrecht Kinder und Erwachsene. Bei einer Übertragung des im Strahlenschutzrecht verankerten besonderen Schutzes von Kindern auf die Trinkwasserverordnung würde sogar in 131 Fällen - rund jedem fünften - die Gesamtrichtdosis überschritten, erläuterte das Amt. Allerdings seien die Untersuchungsergebnisse nicht für ganz Deutschland repräsentativ, denn die radioaktive Belastung des Trinkwassers hänge stark von der lokalen Beschaffenheit des Bodens und des Untergrundgesteins ab.

Da es nur bedingt technische Mittel gebe, um die radioaktive Belastung des Trinkwassers auch unterhalb der Richtdosis zu reduzieren, habe das Ministerium seine Forschung zu neuen Filtertechniken intensiviert. Die natürliche Strahlenbelastung der Bürger in Deutschland beträgt nach Angaben des Bundesamts im Mittel etwa zwei Millisievert pro Jahr.

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